Subversive Literatur - Gegen die herrschenden Codes!

Wenn die breite Bevölkerung weiterhin passiv, apathisch, konsumsüchtig und voller Hass gegen die Schwachen bleibt, können die Mächtigen tun, was ihnen beliebt - und die Überlebenden werden die Trümmer betrachten.

Meine kleine Bibliothek des Widerstands. G.F.

„Die Utopie ist die Wahrheit von morgen“ (Victor Hugo) – Gerhard Stange macht sich in diesem Manifest Gedanken darüber, wie eine freiheitliche und solidarische Gesellschaft auf den wesentlichen Feldern des gesellschaftlichen Lebens organisiert sein könnte, um eine tragfähige Alternative zum Kapitalismus hervorzubringen. Die Thesen des Autors brechen mit einem unseligen Dogma im marxistischen Denken, die an die religiöse Tradition des „Bilderverbots“ erinnert. Denn so verrückt es wäre, eine herrschaftsfreie Gesellschaft bis ins Detail auf dem Reißbrett zu entwerfen, so verrückt ist es, sich vorzustellen, man könne dorthin gelangen, ohne das für die wichtigsten Veränderungen vorher gesellschaftliche Mehrheiten gewonnen zu haben. Auf diese Anstrengung zu verzichten heißt auf die Utopie zu verzichten. Gerhard Stange begreift sein Manifest als Vorschlag zu einer offenen Diskussion.


7,50 

Die libertäre Gesellschaft

Der US-amerikanische Kulturtheoretiker Fredric Jameson sagte einmal, es sei leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Entsprechend beherrscht der Wunsch nach Wachstum und die Orientierung am wirtschaftlichen Gewinn seit Jahrzehnten unser Denken. Alternativen zum kapitalistischen System werden meist als reine Utopien belächelt. Doch ist das wirklich so? Können wir nicht die verschiedenen Gegenentwürfe, die sich im Globalen Süden und Norden bilden, zu einer neuen Vorstellung verbinden, um aus dem Irrweg des Kapitalismus auszubrechen? In Ihrem neuen Buch laden Alberto Acosta und Ulrich Brand ein, diese Konzepte zu erkunden und entlang ihrer Gemeinsamkeiten eine vereinte Vorstellung von einer gerechteren, besseren Zukunft zu finden. Denn nur so lässt sich eine umfassende politische, sozio-ökonomische und kulturelle Wende einleiten und die zunehmende Vermarktung des Lebens stoppen.

Was sind heute die großen Ideen? Historischer Fortschritt basierte fast immer auf utopischen Ideen: Noch vor 100 Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass die Sklaverei abgeschafft oder die Demokratie wirklich existieren würde. Doch wie begegnen wir den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, des Familienlebens, des gesamten globalen Gefüges? Der niederländische Vordenker Rutger Bregman sagt: «Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.» Wir müssen es wagen, das Unmögliche zu denken, denn nur so finden wir Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Bregman macht deutlich, warum das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Option ist und inwiefern die 15-Stunden-Woche eine Antwort auf die Digitalisierung der Arbeit sein kann. «Alternativlos» ist für Bregman keine Option, sogar die Armut kann abgeschafft werden, wie er am Beispiel einer kanadischen Stadt zeigt. Bregmans Visionen sind inspirierend, seine Energie ist mitreißend; er zeigt: Utopien können schneller Realität werden, als wir denken. «Rutger Bregman rüttelt uns wach.» The Times

Die Mehrheit der Bürger vertraut den Medien nicht mehr. Viele haben erkannt: Eine von Konzerninteressen, Hochglanzwerbung und politischer Agitation à la "Deutschland geht es so gut wie nie zuvor" (Angela Merkel) geprägte "Berichterstattung" hat mit der sozialen Realität wenig gemein. Eine "Kernschmelze des Vertrauens" (Edelman Trust Barometer 2017) findet statt. Der Medienmainstream antwortet auf Kritik üblicherweise mit Aussagen wie "Wir sind nicht gesteuert, Fehler passieren jedem", oder er verortet die Krisenursachen mit der Behauptung "Verschwörungstheorie!" beim Publikum selbst. Eine umfassende und vielstimmige Medienkritik tut not, die den Bürgern die "intellektuellen Waffen" (Pierre Bourdieu) an die Hand gibt, derlei Ausflüchte und Entmündigungsversuche zu entlarven. Jens Wernicke hat mit zahlreichen Medienexperten über die verschiedenen Facetten der Vertrauenskrise gesprochen und liefert ein unverzichtbares Kompendium der Medienkritik. Zu Wort kommen die Journalisten Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser. Sowie mit Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler und Daniela Dahn wichtige Stimmen aus der Zivilgesellschaft.

Wussten Sie, dass eine nachmittägliche Spritztour mit einer Wally-Superyacht auf dem Mittelmeer schon einmal 10.000 Liter Sprit verbraucht und der Umwelt mehr Schaden zufügt als ein durchschnittlicher Afrikaner in seinem ganzen Leben? Oder dass in Bishops Avenue, der zweitteuersten Straße Londons, ein Drittel der Häuser leer steht? Diese Häuser gehören reichen Ausländern, die damit zuhause Steuern sparen und zufrieden zuschauen, wie in London die Immobilienpreise durch die Decke gehen. Während die soziale Ungleichheit immer größer wird, ist der Reichtum der Reichen weltweit förmlich explodiert. Die Ursache dafür sind dysfunktionale Mechanismen des Marktes, die es den 1 Prozent Superreichen ermöglichen, durch die Kontrolle von Eigentum und Kapital jenen Wohlstand abzuschöpfen, den andere produziert haben. Andrew Sayer zeigt in seinem provokanten Buch, wie das funktioniert und warum sich eine gerechte Gesellschaft diese Art von Reichtum nicht länger leisten kann.

Imperiale Lebensweise

Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus

Immer mehr Menschen - im globalen Norden und zunehmend auch im globalen Süden - machen sich eine imperiale Lebensweise zu eigen. Sie bedienen sich an den ökologischen und sozialen Ressourcen andernorts, um sich selbst einen hohen Lebensstandard zu sichern. Appelle an einen »grünen Konsum« oder Strategien einer »grünen Ökonomie« ändern daran nichts. Viel grundlegendere Veränderungen sind nötig. Ulrich Brand und Markus Wissen analysieren die Ursachen der imperialen Lebensweise, beleuchten ihre zerstörerischen Wirkungen und zeigen Wege zu ihrer Überwindung auf.

Haben wir die Zeiten des Imperialismus nicht längst hinter uns gelassen?
Wenn man erwägt, in welchem Maße sich der Globale Norden nach wie vor an den ökologischen und sozialen Ressourcen des Globalen Südens bedient, rücken die Begriffe »Globaler Kapitalismus« und »Imperialismus« wieder näher zusammen. Unsere Muster von Produktion und Konsum erfordern einen überproportionalen Zugriff auf Ressourcen, Arbeitskraft und biologische Senken der restlichen Welt. Mit anderen Worten: Die Ausbeutung von Mensch und Natur hält nach wie vor an – und nimmt weiter an Fahrt auf.
Ulrich Brand und Markus Wissen legen in ihrem Buch eine umfassende Krisenbeschreibung vor, die zeigt, wie inadäquat die aktuellen, oft marktförmigen und technischen Strategien der Problemlösung im Kapitalismus sind. Das Buch erinnert eindringlich daran, wie notwendig eine umfassende »sozial-ökologische Transformation« hin zu einer solidarischen Lebensweise ist und wie man sie auf den Weg bringen kann.

Immer sichtbarer wird für Beobachter des Zeitgeschehens die schleichende Transformation parlamentarischer Demokratien in Richtung autoritärer Systeme. Organisationen, die sich ausschließlich Kapitalinteressen verpflichtet fühlen, schaffen suprastaatliche Strukturen, die sich der demokratischen Kontrolle entziehen. Vom Volk gewählte politische Repräsentanten sehen sich zu Handlangern der ökonomisch Mächtigen degradiert, viele von ihnen vollziehen den Schulterschluss mit ihnen. "Das Ende der Demokratie ... wie wir sie kennen" übertitelte der 2015 verstorbene Soziologe Bernd Hamm seinen Beitrag und gab damit den Anstoß für dieses Buch. Die hier versammelten Autoren analysieren seinen Befund aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gemeinsam teilen sie die Überzeugung, dass sich die liberalen Demokratien, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet haben, im Niedergang befinden. Ihr aktueller Status ist mit dem Begriff der "Fassadendemokratie" passend beschrieben.

Nach 500 Jahren Expansion ist die kapitalistische Megamaschine in die tiefste Krise ihrer Geschichte geraten. Wir bewegen uns in eine chaotische Übergangsphase hinein, die einige Jahrzehnte andauern kann und deren Ausgang vollkommen offen ist. Während die alten Ordnungen brüchig werden, entflammt ein Kampf darum, wer die Zukunft bestimmen wird. Bevorstehende Wellen der Digitalisierung führen zum Ende der Arbeitswelt, wie wir sie seit der Mechanisierung kennen. Dies hat auch einschneidende Folgen für das System der gesellschaftlichen Verteilung. Der Aufstieg Chinas wiederum steht im Zeichen eines geopolitischen Hegemoniewandels, der Europa - wie schon bis zum beginnenden 19. Jahrhundert - an den Rand drängen könnte. All dies sind untrügliche Zeichen einer Neudefinition von Ökonomie und einer Transformation von Staatlichkeit. Fabian Scheidler sieht darin auch eine Möglichkeit in Hinblick auf eine neue Friedensordnung. "Das neue Zeitalter der Revolutionen" lotet Gefahren und Chancen dieser Übergangszeit aus und bietet einen Kompass für politisches Engagement in Zeiten wachsender Unübersichtlichkeit.

Warum schreitet die ökologische Zerstörung des Planeten trotz unzähliger Klimagipfel ungebremst voran? Warum hungern mehr Menschen als je zuvor auf der Erde, obwohl noch nie so ungeheure Reichtümer angehäuft wurden wie heute? Warum erweisen sich die globalen Eliten als unfähig, die Richtung zu ändern, obwohl ihr Kurs in einen planetaren Crash führt? Der Berliner Autor und Journalist Fabian Scheidler legt in seinem Buch "Das Ende der Megamaschine" die Wurzeln der Zerstörungskräfte frei, die heute die menschliche Zukunft infrage stellen. In einer Spurensuche durch fünf Jahrtausende führt das Buch zu den Ursprüngen ökonomischer, militärischer und ideologischer Macht. Der Autor erzählt die Vorgeschichte und Genese des modernen Weltsystems, das Mensch und Natur einer radikalen Ausbeutung unterwirft. Dabei demontiert er Fortschrittsmythen der westlichen Zivilisation und zeigt, wie die Logik der endlosen Geldvermehrung von Anfang an menschliche Gesellschaften und Ökosysteme verwüstet hat. So entsteht eine faszinierende Gegengeschichte unserer Zivilisation. Das Buch schöpft aus einer Vielzahl von Quellen, von der Anthropologie und Geschichtswissenschaft über die Chaosforschung bis zur Populärkultur. Es verändert eingefahrene Sichtweisen, indem es Verbindungen quer durch Zeiten, Räume und Denktraditionen herstellt. Die Kenntnis der historischen Zusammenhänge bildet die Grundlage dafür, neue Möglichkeiten für eine notwendige zivilisatorische Wende zu entdecken. Wer verstehen will, warum wir menschheitsgeschichtlich in eine Sackgasse geraten sind und wie wir aus ihr wieder herauskommen können, der kommt an Fabian Scheidlers "Das Ende der Megamaschine" nicht vorbei. Es ist ein Buch, das zum Handeln einlädt und Möglichkeiten eröffnet, gemeinsam einen Ausgang aus der gefühlten Ohnmacht zu finden.

Die offene Gesellschaft hat viele Feinde. Die einen streiten für »Allah«, die anderen für die Rettung des »christlichen Abendlandes«, letztlich aber verfolgen sie das gleiche Ziel: Sie wollen das Rad der Zeit zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen. Wie sollen wir auf diese doppelte Bedrohung reagieren? Welche Entwicklungen sollten wir begrüßen, welche mit aller Macht bekämpfen? Michael Schmidt-Salomon erklärt, warum grenzenlose Toleranz im Kampf gegen Demagogen auf beiden Seiten nicht hilft und wie wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Freiheit zu verteidigen.

"Entlang der aktuellen Islamdebatte und anhand einer kurzen Geschichte der Toleranz führt der Autor seine Leser zu einer zentralen Unterscheidung: Tolerieren heißt noch lange nicht akzeptieren. Tolerieren heißt "aushalten". Akzeptieren bedeutet, etwas gutzuheißen. (...) Schmidt-Salomon plädiert dafür, dass wir die anstrengende "Kultur des Streitens" wieder aktivieren, jenseits des "Empörialismus". Und dass wir immer wieder neu definieren, was es zu tolerieren und was es zu akzeptieren gilt.", Die Südostschweiz (CH), 01.12.2016

Der im Namen des Neoliberalismus von der Leine gelassene Kapitalismus hat ein gesellschaftliches Klima der Kälte und Feindseligkeit entstehen lassen, das sich in den Menschen als psychische Frigidität, Rücksichtslosigkeit und Indifferenz reproduziert. Selbst auf die Kindheit fällt ein Kälteschatten: Die Gesellschaft des entfesselten Marktes bemächtigt sich der Kinder mittels elektronischer Medien. Eine derartige Form der Sozialisation fördert die Produktion von Psychopathen. So wächst ein Menschentyp heran, der in seiner Bindungs-, Skrupel- und Gefühllosigkeit der Funktionsweise der Gesellschaft des entfesselten Marktes entspricht und sie am Leben erhält. Doch Götz Eisenberg belässt es nicht bei dieser von ihm an vielen Beispielen konkretisierten Feststellung. Er sucht nach Auswegen.'Eisenberg macht eine alltägliche Beobachtung und knüpft einen so frappierenden Gedanken daran, dass uns ein einziger Satz den medialen Schleier von den Augen nimmt.' (Matthias Altenburg, alias Jan Seghers, Frankfurter Rundschau)

 

Götz Eisenberg, geboren 1951 in Arolsen, Hessen. Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und psychosomatischen Medizin an der Universität Gießen. Promotion mit einer Arbeit zur Geschichte der sozialen Bewegungen. Ausbildung zum Familientherapeuten. Seit 1993 Gefängnispsychologe an der JVA Butzbach. Organisiert dort Kulturprojekte, Theateraufführungen und Lesungen. Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen seit den frühen 1970er Jahren in der Tradition der Kritischen Theorie, u. a. zu Amok, Hass und Gewalt

Der Kommentar des Unsichtbaren Komitees zu den aktuellen Protestbewegungen in Frankreich

»Jetzt« ist ein Interventionstext. Er hat sich aufgedrängt, da die wesentlichen Vorhersagen des Unsichtbaren Komitees nun eingetreten sind - deutlicher Abscheu vor der Polizei, Ernüchterung angesichts ermüdender Parlamentsdebatten, Blockade als zentrales Mittel, Wiederkehr der Idee der Commune, Widerstand, der von Radikalen auf das Bürgertum überspringt, die Weigerung, sich regieren zu lassen.

»Jetzt« ist am Anfang eines Jahres erschienen, in dem es für die Macht darum ging, unter dem Vorwand eines Präsidentschaftswahlkampfes all das wieder in das marode Gerüst der klassischen Politik zurückzupressen, was diese bereits jetzt übersteigt, sich ihr entzieht, ihrer überdrüssig ist.

Die massiven Protestbewegungen in Frankreich des Jahres 2016 sind Zeugnis eines politischen Konflikts, der in seiner Bedeutung dem Mai '68 in nichts nachsteht.

»Jetzt« entwirft einen alternativen Weg zur verordneten stickigen Atmosphäre, plädiert für ein anderes Modell als die Wahlen: für die Absetzung der Macht. Für neue Lebensformen und nicht für neue Verfassungen; für Verweigerung und Stille statt lärmender Proklamationen. Es wird keinen Umsturz der bestehenden Ordnung geben ohne das Bekenntnis zu einem wünschenswerten Leben. Die zerstörerische Kraft des revolutionären Prozesses kann nichts ausrichten ohne jene Ladung stiller Positivität, die jeder glücklichen Existenz innewohnt.

 

Nach der Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde die erste Publikation des Unsichtbaren Komitees, »Der kommende Aufstand«, von der französischen Regierung als ein »Handbuch des Terrorismus« beschlagnahmt und war Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Die Polizei in Frankreich hat im Zuge der »Terrorismusbekämpfung« viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekannt. Nach »Der kommende Aufstand« (2010) und »An unsere Freunde« (2015) ist »Jetzt« die dritte Buchveröffentlichung des Unsichtbaren Komitees.

Vor hundert Jahren gelang einem behäbigen Völkchen am Rande der Alpen eine der wenigen erfolgreichen Revolutionen Deutschlands. Das Tagebuch der Bayerischen Räterepublik rekonstruiert das Geschehen anhand der Erlebnisse dreier revolutionärer Persönlichkeiten: Dem Anarchisten Erich Mühsam (Revolutionärer Arbeiterrat), der Kommunistin Hilde Kramer (KPD) und dem radikalen Sozialisten Ernst Toller (USPD). Das Buch hebt sich in mehrerlei Hinsicht von der bisher zur Bayerischen Räterepublik erschienenen Literatur ab. Konzipiert als politische Dreierbiographie liefert es einen persönlichen Einblick in die Hoffnungen, Strategien und Fehlschläge der bayerischen Revolution. So gelingt es, den aktuellen Stand der Forschung mit einer packenden Erzählung zu vereinen. Systematisch räumt das Buch mit dem weit verbreiteten Mythos auf, es habe sich bei der Räterepublik hauptsächlich um die Phantasie einer Handvoll Literaten gehandelt. Dagegen wird das massenhafte Engagement der bayerischen Bevölkerung ins Zentrum gerückt. Gleichzeitig wird der bereits in der gängigen Bezeichnung »Münchner Räterepublik« implizierten Behauptung, die Revolution sei nur auf die Landeshauptstadt beschränkt gewesen, eine Darstellung der Räterepublik im bayerischen >Hinterland< entgegengestellt.

Bunt, bizarr und widersprüchlich, verführerisch für die einen, Inbegriff des Bösen für die anderen, zieht sich die Idee der Anarchie durch die Geschichte der Menschheit. Ist sie ein weltfremder Traum oder ein noch zu realisierender Entwurf? Das Buch berichtet von Versuchen, diese Vision zu verwirklichen. Eine informative und kurzweilig geschriebene Einführung in Ideenwelt und Geschichte des Anarchismus, die neue Impulse gibt.

Anarchie, ein Wort, das von jeher Schrecken ausgelöst hat, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als faszinierende Wundertüte. Sie will das »brutale« Chaos der heutigen Gesellschaft durch das »sanfte« Chaos vernetzter horizontaler Strukturen ersetzen, in der die Herrschaft des Menschen über sich und die Natur überflüssig wird.

Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen lassen das Interesse an sozialen Entwürfen wieder wachsen, die bisher im Schatten standen. Horst Stowasser stellt die bestechendste Utopie vor: den Anarchismus.

Verständlich geschrieben und umfassend angelegt, ist dieses Buch ein Standardwerk. Neben einer kritischen Einführung in die freiheitliche Ideenwelt macht der Autor eine Reise durch die reiche Geschichte anarchistischer Experimente.

 

So gibt es unter Anarchisten alle möglichen Überzeugungen und Strategien der Veränderung. Von Ökologen über Gewerkschafter, Pädagogen, Siedler und Alternativunternehmer bis hin zu den Befürwortern revolutionärer Gewalt und Anhängern strikter Gewaltfreiheit ist alles vertreten. Es finden sich unter ihnen Atheisten und Religiöse, Asketen und Schlemmer, Materialisten und Esoteriker. Für die einen ist der entscheidende Hebel zur Überwindung der Herrschaft die Erziehung, für die anderen der zivile Ungehorsam oder die direkte Aktion; diese wollen mit dem gleichen Ziel Gegenstrukturen aufbauen, jene die Arbeiterschaft gewinnen; Selbstverwaltung ist das Credo von manchen, auch Unterwanderung ist für viele angesagt und wieder andere schwören auf Propaganda, Aufklärung oder das vorgelebte Beispiel. Schließlich gibt es auch Individualisten, denen der Rest der Menschheit ziemlich schnuppe ist und last but not least noch immer welche, die davon träumen, diesem Rest der Menschheit ihre Vorstellungen lieber mit Gewalt aufzuzwingen – mehr oder minder sanft. Die Spezies der blutrünstigen Bombenwerfer allerdings, die das Anarchismusbild so nachhaltig geprägt hat und die Fantasie der Bürger so angenehm-gruselig beflügelt, ist seit langem ausgestorben.

Nun betrachten Anarchisten diese Vielfalt keineswegs als Makel, im Gegenteil, sie sehen darin eine Chance und Bereicherung – die Vorwegnahme jener Vielfalt, die sie in einer künftigen Gesellschaft anstreben. In der Tat nimmt der Anarchismus für sich in Anspruch, die einzige Gesellschaftsstruktur zu sein, die der Tatsache Rechnung trägt, dass Menschen eben sehr unterschiedlich sind.

 

Wie sollen wir leben? Worin besteht das Glück? In der flüchtigen Moderne wollen wir mit solchen Fragen am liebsten gar nicht behelligt werden. Wir wissen schließlich genau, worauf es ankommt: Mehr Geld heißt mehr Glück, und jeder einzelne ist für seinen Erfolg und sein Scheitern selbst verantwortlich. Zugleich stürzt uns die Frage in bodenlose Ratlosigkeit, denn worin wir morgen unser Glück erblicken werden, scheint völlig unvorhersehbar. Daß eine Orientierung trotzdem möglich ist, zeigt der große Essayist Zygmunt Bauman, indem er Klassiker der Philosophie auf ihre Botschaften für die unmittelbare Gegenwart hin abklopft. Wenn wir Heutigen, so sein Fazit, schon gezwungen sind, unser Leben als Kunstwerk zu betrachten, uns permanent zu verändern und neu zu definieren, dann können wir die Anleitungen der Moral und Ethik zwar ausschlagen, den Konsequenzen unseres Handelns aber trotz allem nicht entkommen.

Psychopolitik

Neoliberalismus und die neuen Machttechniken

Das neue Buch vom Autor der ›Müdigkeitsgesellschaft‹

Nach seinem Bestseller ›Müdigkeitsgesellschaft‹ führt Byung-Chul Han, »der neue Star der deutschen Philosophie« (El País), seine Kritik am Neoliberalismus leidenschaftlich fort. Pointiert legt er die Herrschafts- und Machttechnik des neoliberalen Regimes dar, die im Gegensatz zu Foucaults Biopolitik die Psyche als Produktivkraft entdeckt. Han beschreibt die neoliberale Psychopolitik in all ihren Facetten, die in eine Krise der Freiheit führt.
Im Rahmen dieser Analytik der neoliberalen Machttechnik werden darüber hinaus eine erste Theorie von Big Data und eine luzide Phänomenologie der Emotion vorgelegt. Sein neuer fulminanter Essay entwirft jedoch auch Gegenmodelle zu einer neoliberalen Psychopolitik: reich an Ideen und voller Überraschungen.

Mehr als 40 Jahre lang entwickelte Murray Bookchin seine Ideen über Kommunalismus, libertäre Ökologie und direkte Demokratie und brachte sie in die Politik der Neuen Linken ein.

Seine Schriften beeinflussten zahlreiche politische DenkerInnen und Soziale Bewegungen - von der radikalen Ökologiebewegung bis zur Antiglobalisierungsbewegung. Nicht zuletzt bezieht sich aktuell die kurdische Befreiungsbewegung in der Türkei und in Syrien auf die Weiterentwicklung von Bookchins Idee des Libertären Kommunalismus zur Praxis desDemokratischen Konföderalismus.

Mit einem Vorwort der Bestsellerautorin Ursula K. Le Guin eingeleitet, versammelt Die nächste Revolution erstmals Bookchins Essays über Freiheit und direkte Demokratie, um eine gewichtige politische Vision zu entwickeln, die vom Protest zur praktischen Transformation des Kapitalismus führen kann.

'Über die Jahre hat Murray Bookchin seine eindrucksvollen Fähigkeiten und sein Engagement in vielen Bereichen unter Beweis gestellt: sei es Geschichte, Technologie, gesellschaftliche Organisation, die Suche nach Freiheit und Gerechtigkeit und vieles andere mehr. Immer hat er Einsichten, Erkenntnisse, originelle und provokante Thesen sowie anregende Visionen beigetragen. Diese neue Textsammlung über radikale Demokratie ist Zeugnis seiner Lebensleistung.'
Noam Chomsky

Nach wie vor betrachten sich die USA grundsätzlich als die Guten - selbst dann, wenn sie das Gleiche tun wie jene Staaten, denen sie Böses unterstellen: Zivilflugzeuge abschießen, willkürlich Leute inhaftieren und umbringen, in fremde Länder einmarschieren. Und sie nehmen in Kauf, dass die Existenz der Menschheit bedroht ist wie noch nie. Dabei gäbe es die Chance auf Frieden und Sicherheit. Man müsste sie nur nutzen.

Noam Chomsky, geboren 1928, ist Professor emeritus am M.I.T. für Sprachwissenschaft und Philosophie. Er hat die moderne Linguistik revolutioniert und zahlreiche Bestseller über Politik verfasst. Chomsky ist einer der weltweit bekanntesten linken Intellektuellen und seit jeher ein prominenter Kritiker der amerikanischen Politik wie auch des globalen Kapitalismus.

Strategien der Macht
Wenn immer mehr Menschen glauben, Politik werde über ihre Köpfe hinweg gemacht und sei ihrem Einfluss entzogen - ist das ein populistischer Trugschluss? Oder ist der Eindruck der Bürger, sie seien entmachtet, womöglich zutreffend?
Soviel Sprengstoff diese Fragen bergen, so analytisch-nüchtern geht der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim in seiner Systemdiagnose vor. Er belegt: Die Parteienherrschaft hat eine neue Qualität erreicht. Hinter der demokratischen Fassade haben die Parteien einen Machtapparat installiert, der der Volkssouveränität Hohn spricht und absolutistische Züge trägt.
Arnim deckt auf, welcher Mittel und Methoden sich die politische Klasse bedient, um die Regeln zu ihrem eigenen Vorteil umzugestalten. Parteienherrschaft und Willkür wirksam zu begrenzen ist dringend geboten!

Hans Herbert von Arnim, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, früherer Rektor der Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und Verfassungsrichter in Brandenburg, hat als einer der Ersten Machtmissbrauch, Inkompetenz und Opportunismus in den politischen Parteien angeprangert. Der Autor zahlreicher Bestseller, u.a. »Staat ohne Diener«, »Fetter Bauch regiert nicht gern« und »Die Deutschlandakte«, gehört zu den versiertesten Kennern unserer Wahlsysteme und Parteienstrukturen.

Der Mensch in der Revolte

"Unsere Verbrecher sind nicht mehr jene entwaffneten Kinder, die zur Entschuldigung die Liebe anriefen. Sie sind im Gegenteil erwachsen und haben ein unwiderlegbares Alibi, die Philosophie nämlich, die zu allem dienen kann, sogar dazu, die Mörder in Richter zu verwandeln."
Mit der hier vorliegenden Essaysammlung setzt der Autor die Tradition der französichen Moralisten fort. Das strenge und anspruchsvolle Werk ist eine Absage an die Auffassung, daß Geschichte ein sinnvoller Ablauf sei. Er versucht nachzuweisen, daß die politischen Ideen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute Konstruktionen und Utopien waren, da sie das Absolute wollen, und deshalb notwendig ins Absurde, in Terror und legitimierten Mord einmünden mußten.

Naomi Klein

Die Schock-Strategie

Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus

Erst Schock durch Krieg oder Katastrophe, dann der sogenannte Wiederaufbau: Es funktioniert immer nach den gleichen Mechanismen. Wo vor dem Tsunami Fischer ihren Lebensunterhalt verdienten, stehen heute luxuriöse Hotelresorts, im Irak wurden nach dem Krieg die Staatsbetriebe und die Ölwirtschaft neu verteilt - an westliche Konzerne. Existenzen werden vernichtet, es herrscht Wild-West-Kapitalismus der reinsten Sorte.
Naomi Klein, Autorin des Welt-Bestsellers ›No Logo‹, weist in ihrem beeindruckenden Buch nach, wie der Siegeszug der neoliberalen Ideologie in den letzten dreißig Jahren auf extremer Gewalt, auf Katastrophen und sogar auf Folter beruht, um die ungezügelte Marktwirtschaft rund um die Welt von Lateinamerika über Osteuropa und Russland bis nach Südafrika und in den Irak durchzusetzen.

 

CrimethInc.

 

Message in a Bottle

 

Communiqués 1996–2011

 

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt & herausgegeben von der bm-Crew

ISBN 978-3-89771-519-6

Message in a Bottle ist nicht nur politische Theorie und subkulturelle Bewegungsgeschichte, sondern auch die Einladung, eine lebendige anschlussfähige anarchistische Praxis zu entwickeln. Es geht um individuelle Ausbrüche aus der Verwertungslogik, Ladendiebstahl, Massenproteste, direkte Aktionen, aufständische Perspektiven und sonstige anarchistische Auseinandersetzungen mit den herrschenden Verhältnissen. Dabei durchläuft die Textsammlung des US-amerikanischen CrimethInc.-Kollektivs verschiedenste Phasen: vom romantischen, individualistischen Anarchismus hin zu einer reflektierten und analytischen Perspektive auf einen revolutionären Umsturz.

 

CrimethInc.

 

Work

 

Kapitalismus | Wirtschaft | Widerstand

 

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von der bm-Crew

ISBN 978-3-89771-542-4

Warum müssen wir, trotz all des technischen Fortschritts, immer mehr arbeiten? Warum werden wir – im Gegensatz zu unseren Bossen – trotzdem immer ärmer? Warum sorgen sich die Leute um ihre Jobs und den Zusammenbruch der Wirtschaft, obwohl kaum jemand seine / ihre (Lohn-)Arbeit mag? – Um diese und eine ganze Menge weiterer Fragen beantworten zu können, musste CrimethInc., das dezentral organisierte lose Kollektiv mit Wurzeln in der Hardcore- und Anarcho-Punk-Szene Nordamerikas, düstere Teile der Geschichte studieren und endlose Aufzeichnungen darüber vergleichen, wie Ausbeutung im alltäglichen Leben erfahren wird. Doch dann gelang es ihm, eine ›große vereinheitlichte Feldtheorie über den aktuellen Kapitalismus‹ auszuarbeiten ...

>Wir sind die Krise des Kapitals ...< basiert auf drei kürzlich gehaltenen Vorlesungen John Holloways am >California Institute of Integral Studies< in San Francisco. Die Vorlesungen befassen sich mit den heutigen Möglichkeiten einer antikapitalistischen Revolution - nach der historischen Niederlage der Idee, der Schlüssel zum radikalen Wandel sei die Eroberung der Staatsmacht - und stellen eine brillante und mitreißende Einführung in die zentralen Themen in Holloways Werk dar. Das Leitmotiv der Vorlesungen - die Idee, dass »wir die Krise des Kapitals und stolz darauf sind« - läuft der Meinung vieler linker Denker*innen entgegen, wonach die Kapitalist*innen die Schuld an der Krise tragen oder die Krise schlichtweg ein Ausdruck des Systemversagens sei. Der einzige Weg, die Krise als mögliche Schwelle zu einer besseren Welt zu betrachten, besteht darin, das Scheitern des Kapitalismus als Ergebnis unserer kreativen Antriebskraft zu betrachten. Dies stellt eine theoretische Herausforderung dar. Die erste Vorlesung befasst sich also mit der Frage, wer >wir< - im Sinne einer wirkmächtigen antikapitalistischen Kraft - eigentlich sind, die zweite mit dem Verständnis von Kapital als System der gesellschaftlichen Kohäsion, welches unsere Kreativität systematisch hemmt, und die dritte mit der These, dass >wir< die Krise dieses Kohäsionssystems sind.

»Die Uhr tickt. Oder ist eine Bombe in der Gegenwart? Draußen verändert sich etwas, und es fühlt sich nicht gut an.« Eine Inventur tut not: Niels Boeing nimmt sie in 99 Behauptungen auf 99 Seiten vor. Vom Leben in der Stadt als kritischer Flaneur oder als Beobachter am Schreibtisch, über Versuche, das Leben - und die Stadt - besser zu machen, von Kunstprojekten und Happenings, von Politik und Liebe berichtet er. Es ist an der Zeit, sich selbst als Bürger, als Konsument, als Mensch in die Waagschale zu werfen. Jede Überlegung spitzt sich in einem Slogan zu. »Profit sucks.« »Der Ausnahmezustand ist bereits eingetreten.« »Die wichtigste Technologie ist Zuhören.« »Opposition ist nicht genug.« »Zivilisation ist eine Kettenreaktion.« »Desertiert haufenweise.« So wird durchgespielt, wo und wofür eine kritische, intellektuelle Generation heute, nach '68, nach '89, steht.Alles auf Null legt die Spielräume und Kampfzonen frei, die auf dem Weg aus dem Kapitalismus zu durchqueren sind.

 

Niels Boeing, 44, aktiv im Hamburger Netzwerk »Recht auf Stadt«, Journalist u.a. für GEO, Die Zeit, Financial Times Deutschland, Freitag, Stern. Bücher: 21000 Kilometer oder die Kunst, sitzen zu bleiben und Nano?! Die Technik des 21. Jahrhunderts, beide bei Rowohlt.

 

 

Die wichtigste Technologie ist Zuhören.
Ich will eine neue Utopie, horche in Gespräche und Threads hinein, möchte die Leute am Kragen packen und schütteln: Denkt nach, denkt nach! Was sollen wir tun, was willst du tun? Werdet konkret!
Vergeblich. Alle Kanäle sind verrauscht, nur hin und wieder erkenne ich Worte wie Abschaffung, Enteignung, Regulierung, Solidarität, aber wer spricht da, wer schafft ab, enteignet, reguliert, ist solidarisch? Dabei wäre der Systemcrash selbst ganz leicht. Ein gut organisierter Bank Run, alle holen einfach ihr Geld ab, und die Kapitalmonarchie steht nackt da, bar aller Guthaben und damit aller Macht.

Ein Plädoyer für die Weltrevolution mit Stil - das Buch über Karriereverweigerung und das Ende der neoliberalen Epoche'Was könnten wir nicht alles, wenn wir dürften, wie wir wollten - wenn wir einfach alles sausen ließen, die große Verweigerung im Kleinen ausriefen. Dann würden wir spazieren mit Henry David Thoreau, mit Onkel Teddy auf dem Rücken liegend 'rien faire comme une bête', mit dem schönen Albert im offenen Cabriolet ins innere Lourmarin fahren. Und mit Bartleby lakonisch hauchen: 'I would prefer not to?...'. Gut, Bartleby verstört nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst und ist am Ende tot. Aber konsequenter kann man nicht generalstreiken (und dabei auch noch so höflich bleiben)'Verweigerung ist nur der Anfang!' - 2014 wurde das Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung e.V., als Thinktank gegen frenetisches Wirtschaften und Vollbeschäftigung gegründet. Die vier Gründer und ihr weit verzweigtes Netzwerk betreiben hier aktive Lobbyarbeit für ein neues Verständnis von Arbeit, für Selbstermächtigung und Emanzipation vom kapitalistischen Wachstums- und Karrierefetisch. Sag alles ab! versammelt elegante und egalitäre Plädoyers aus diesem Kosmos von Antonia Baum, Deichkind, Sonja Eismann, Alix Faßmann, David Graeber, Guillaume Paoli, Dirk Lowtzow, Yanis Varoufakis u.?v.?a.

Der Dialog ist eine neue Form des Gesprächs. Hier werden weniger Argumente ausgetauscht, sondern Horizonte eröffnet. Der Dialog ist eine Chance, Neues zu entdecken, keine Garantie, Altes zu bewahren.

Der Physiker David Bohm, von dem Einstein sagte, er sei der einzige, der über die Quantentheorie hinauskommen könne, war nicht nur ein berühmter Naturwissenschaftler, sondern auch ein Philosoph im ursprünglichen Sinne. Er gab dem Gespräch, dem Dialog seine Tiefe zurück, die ihm im Zeitalter der Kommunikation und Diskussion abhanden gekommen ist.

Besprechung, Meeting, Gesprächsrunde nennt man heute Versammlungen, in denen Standpunkte vorgestellt, Argumente ausgetauscht, Positionen verteidigt, Gedanken ausgeführt und Theorien angerissen werden. Der Zweck solcher Gespräche ist es, den Status quo der Differenzen zu klären, sich auf Ziele zu einigen und Unstimmigkeiten auszuräumen.

David Bohm hat die Erfahrung gemacht, daß all dies gut gemeint ist, aber nicht reicht, um einen wirklichen Schritt nach vorne zu kommen. Statt der Diskussion fordert er den Dialog, verstanden nicht als ein freundliches Gespräch miteinander, sondern als ein Horizonte öffnendes Aufeinanderzugehen. Ein Dialog ist ein grundsätzlich gelungenes, die Teilnehmer mit wirklich neuen Erfahrungen und Erkenntnissen belohnendes Gespräch.

 

David Bohm war Professor Emeritus für Theoretische Physik am Birbeck College der University of London. Zu seinen veröffentlichten Werken zählen »Die implizierte Ordnung: Grundlagen eines dynamischen Holismus«, »The Undivided Universe« (mit Basil Hiley), »Causality and Chance in Modern Physics«, »Das neue Weltbild: Naturwissenschaft, Ordnung und Kreativität« (mit F. David Peat), »Die verborgene Ordnung des Lebens« und »Thought as a System«. Lee Nichol ist freier Schriftsteller und gehört der David Bohm Dialoggruppe an.

 

Vom Dialog

Wir beginnen die Arbeit in einer Dialoggruppe normalerweise, indem wir über den Dialog reden - wir besprechen das Thema, erörtern, warum wir uns damit beschäftigen und was Dialog bedeutet und so weiter. Ich halte es nicht für klug, die Arbeit in der Gruppe zu beginnen, ohne daß die Teilnehmer sich mit all dem auseinandergesetzt haben, zumindest in Grundzügen. Man kann es machen, aber dann muß man darauf vertrauen, daß die Gruppe weiterbestehen wird und daß diese Fragen zu einem späteren Zeitpunkt auf den Tisch kommen. Wenn Sie also in Erwägung ziehen, sich in einer Gruppe zu treffen, würde ich vorschlagen, zunächst eine Diskussion oder ein Seminar über das Thema Dialog abzuhalten, und die Interessierten können dann weitermachen und den Dialog führen. Und machen Sie sich keine allzugroßen Sorgen darüber, ob Sie nun einen echten Dialog führen oder nicht - das ist eine der geistigen Sperren. Er kann sowohl das eine als auch das andere sein. Also wollen wir das Thema eine Zeitlang erörtern - was ist das Wesen des Dialogs?

Die Bedeutung, die ich dem Wort "Dialog" gebe, unterscheidet sich leicht von der allgemein üblichen Definition. Die etymologische Ableitung eines Wortes hilft uns oft, eine tiefere Bedeutung zu erschließen. "Dialog" kommt von dem griechischen Wort dialogos. Logos heißt "Das Wort" oder auch "Wortbedeutung, Wortsinn". Und dia heißt "durch" - nicht "zwei". Ein Dialog kann von einer beliebigen Anzahl von Leuten geführt werden, nicht nur von zweien. Sogar ein einzelner kann einen gewissen inneren Dialog mit sich selbst pflegen. Wesentlich ist, daß der Geist des Dialogs vorhanden ist. Die Vorstellung oder das Bild, das diese Ableitung nahelegt, ist das eines freien Sinnflusses, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt. Das macht einen Sinnstrom innerhalb der ganzen Gruppe möglich, aus dem vielleicht ein neues Verständnis entspringen kann. Diese Einsicht ist etwas Neues, das zu Beginn möglicherweise gar nicht
vorhanden war. Sie ist etwas Kreatives. Und dieser untereinander geteilte Sinn ist der "Leim" oder Zement", der Menschen und Gesellschaften zusammenhält.

Seit vielen Jahren setzt sich Jean Ziegler im Auftrag der Vereinten Nationen mit all seinen Kräften für die Menschen ein, die Frantz Fanon die Verdammten der Erde genannt hat. Zunächst als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dann als Vize-Präsident des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats kämpft er gegen Hunger und Unterernährung, für Menschenrechte, für Frieden.

Von diesen Kämpfen, seinen Erfolgen - aber auch den Niederlagen - berichtet Jean Ziegler aus unmittelbarer Erfahrung, beleuchtet die imperialen Machenschaften hinter den demokratischen Kulissen, analysiert die Strategien der Beutejäger des globalisierten Finanzkapitals. In Sieg und Niederlage fragt sich der unversöhnliche Zeitzeuge angesichts der mörderischen Spiele der Mächtigen dieser Welt: Was können wir tun, damit die von Roosevelt und Churchill inspirierte Vision einer Weltorganisation politische Praxis wird und die Vereinten Nationen instand gesetzt werden, den Frieden, die Menschenrechte und den Völkern der Welt ein Existenzminimum zu sichern?

Nicht zuletzt übermittelt uns der unbeirrbare Streiter für Recht und Gerechtigkeit mit diesem lebendigen, leidenschaftlichen und sehr persönlichen Buch eine Botschaft der Hoffnung.

Jean Ziegler, Bürger der Republik Genf, Soziologe, ist emeritierter Professor der Universitäten von Genf und Paris. Er war bis 1999 Nationalrat (Abgeordneter) im Eidgenössischen Parlament, dann Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung. Seit 2008 ist er Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrats. Er ist Träger verschiedener Ehrendoktorate und internationaler Auszeichnungenwie z.B. des CARE-Milleniumspreises (2009) und des Internationalen Literaturpreises für Menschenrechte (2008). Jean Ziegler ist Autor zahlreicher Bestseller.

Dieses Buch erzählt davon, wie nach dem Ende des Kalten Kriegs ein neuer Kalter Krieg im Herzen unserer Gesellschaft eröffnet wird. Es ist die Geschichte einer Manipulation: Vor sechzig Jahren wurde von Militärs und Ökonomen das theoretische Model eines Menschen entwickelt. Ein egoistisches Wesen, das nur auf das Erreichen seiner Ziele, auf seinen Vorteil und das Austricksen der anderen bedacht war: ein moderner Homo oeconomicus. Nach seiner Karriere im Kalten Krieg wurde er nicht ausgemustert, sondern eroberte den Alltag des 21. Jahrhunderts. Aktienmärkte werden heute durch ihn gesteuert, Menschen ebenso. Er will in die Köpfe der Menschen eindringen, um Waren und Politik zu verkaufen. Das Modell ist zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden. Der Mensch ist als Träger seiner Entscheidungen abgelöst, das große Spiel des Lebens läuft ohne uns.

Frank Schirrmacher zeichnet in seinem bahnbrechenden neuen Buch die Spur eines monströsen Doppelgängers nach und macht klar, dass die Konsequenzen seines Spiels das Ende der Demokratie sein könnte, wie wir sie heute kennen.

Bestseller-Autor Harald Welzer legt mit »Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit« eine neue und frische Analyse der großen gesellschaftlichen Zusammenhänge in Deutschland vor, eine umfassende Diagnose der Gegenwart für alle politisch Interessierten.
Unsere Gesellschaft verändert sich radikal, aber fast unsichtbar. Wir steuern auf einen Totalitarismus zu. Das Private verschwindet, die Macht des Geldes wächst ebenso wie die Ungleichheit, wir kaufen immer mehr und zerstören damit die Grundlage unseres Lebens. Statt die Chance der Freiheit zu nutzen, die historisch hart und bitter erkämpft wurde, werden wir zu Konsum-Zombies, die sich alle Selbstbestimmung durch eine machtbesessene Industrie abnehmen lässt, deren Lieblingswort »smart« ist.
Was heißt das für unsere Gesellschaft? Nach seinem Bestseller »Selbst denken« analysiert Harald Welzer in »Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit«, wie die scheinbar unverbundenen Themen von Big Data über Digitalisierung, Personalisierung, Internet der Dinge, Drohnen bis Klimawandel zusammenhängen. Daraus folgt: Zuschauen ist keine Haltung. Es ist höchste Zeit für Gegenwehr, wenn man die Freiheit erhalten will!

Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor von Futurzwei - Stiftung Zukunftsfähigkeit, Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen. In den Fischer Verlagen sind von ihm erschienen: >»Opa war kein Nazi«. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis< (zus. mit S. Moller und K. Tschuggnall, 2002), >Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden< (2005), >Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben< (zus. mit Sönke Neitzel, 2011), der >FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2015/16< (2014), >Selbst denken< (2013), >Autonomie. Eine Verteidigung< (zus. mit Michael Pauen, 2015), >Die smarte Diktatur. Ein Angriff auf unsere Freiheit< (2016) und zuletzt >Wir sind die Mehrheit. Für eine offene Gesellschaft< (2017) . Seine Bücher sind in 21 Ländern erschienen

Finanz- und Umweltkrisen haben gezeigt: Die Welt braucht eine neue politische Ordnung. In ihrer Streitschrift entwerfen Michael Hardt und Antonio Negri den Weg dorthin. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen beschreiben sie das Projekt einer Demokratie von unten: Wenn wir uns den Schulden verweigern, aus der Überwachung befreien, neue Netze politischer Information schaffen und die entleerte repräsentative Demokratie durch lebendige Formen der Beteiligung ersetzen, können wir eine neue Verfassung begründen. Eine, in der Wasser, Banken, Bildung und andere Ressourcen »commons«, Gemeingüter sind. Auf diesem Weg können wir die Folgen der Finanzkrise, die drängenden Umweltprobleme und die wachsende soziale Ungleichheit überwinden.

Was unsere Welt und uns als menschliche Gemeinschaft zusammenhält

In der öffentlichen Diskussion hat sich über Jahrzehnte eine Art Grundannahme festgesetzt, dass die Menschen immer erst von Eigennutz und Gewinnmaximierung getrieben sind. Auch wegen dieser oft unausgesprochenen Hypothese der individualisierten Gesellschaft stehen wir zumeist ratlos vor den globalen Herausforderungen der heutigen Welt. Doch inzwischen ist etwas in Bewegung geraten: Langsam wird uns bewusst, dass dieses Denkmuster nicht der Realität entspricht.

Auch die Wissenschaften mit ihrer Tendenz der Spezialisierung und Abgrenzung haben unfreiwillig zur Verfestigung des Paradigmas beigetragen. Dabei waren und sind es ganz oft die Grenzüberschreiter und Musterbrecher in der Wissenschaft, die die interessantesten und kreativsten Erkenntnisse liefern. Sie zeigen uns, dass die Welt nicht als eine Ansammlung voneinander isolierter Teile zu sehen ist, sondern als ein lebendiges Netz, in dem alles miteinander verbunden und wechselseitig voneinander abhängig ist.

Dieses Buch versammelt die Texte von hervorragenden Repräsentanten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über die Grenzen ihrer jeweiligen Spezialdisziplin hinaus die klaren Argumente für eine neue Weltsicht aufzuzeigen - hin zu einem neuen Wir und zu neuen Lösungsansätzen für die Probleme unserer globalisierten Welt.

Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.

Ein radikales Buch im doppelten Wortsinn, denn Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden.

Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben.

Im Kern ist dieses Buch ein hohes Lied auf die Freiheit: Das sumerische Wort »amargi«, das Synonym für Schuldenfreiheit, ist Graeber zufolge das erste Wort für Freiheit in menschlicher Sprache überhaupt.

David Graeber ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung.

Der Weltökonom Michael Hudson übt eine Fundamentalkritik am kapitalistischen Finanzsystem, die unser Denken verändern wird. Die Weltgeschichte beweist: Die Banken führen einen neuartigen Krieg gegen die Demokratie.

Hudsons Prognosen erregen weltweit Aufmerksamkeit: als Erster und Einziger hat er den genauen Zeitpunkt vorausgesagt, an dem die fatale Immobilienblase platzen sollte. Eindringlich  analysiert er, wie die internationale Finanzwelt die Errungenschaften der klassischen Ökonomie verspielt. An Beispielen aus der Geschichte zeigt er, was »Schulden« sind, und eröffnet neue Perspektiven auf dieses Menschheitsproblem. Schonungslos entlarvt Hudson die Vorstellung, die Verschuldung könne gemanagt werden, wenn man sie den Bürgern aufbürdet. Das Bankensystem muss wieder der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt. Doch nun betreibt die Finanzwelt eine neue Art der Kriegsführung gegen das Volk, die unsere Gesellschaften polarisiert. Hudsons historisch fundierte Analyse belegt: Weltweit werden Bürger revoltieren. Denn die Interessen von Gläubigern sind nicht die der Demokratie. Für den Autor ist die heutige Krise noch immer eine Frage des politischen Wollens und keine schicksalhafte Notwendigkeit.


»Michael Hudsons brillant-scharf sinniges Buch über das Versagen  des modernen Kapitalismus ist Pflichtlektüre.« David Graeber

Die Wall Street besitzt heute eine Finanzmacht, mit der sie den Ausgang von Wahlen und die Besetzung von Schlüsselpositionen bei Finanzmarktregulierungs- und Strafverfolgungsbehörden maßgeblich beeinflusst.

Michael Hudson geboren 1939, lehrt Wirtschaftswissenschaften an der University of Missouri in Kansas City; daneben ist er Finanzanalyst und Berater an der Wall Street. Er gehört zu dem Teil der Occupy-Bewegung, die sich aus Finanzexperten und Ökonomie-Professoren zusammensetzt.

Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses zeichnet die Frühentwicklung einer totalen Institution nach, die für die liberale bürgerliche Gesellschaft eine mindestens ebensolche definitorische Macht gewann wie das Irrenhaus.

 

Paul-Michel Foucault wurde am 15. Oktober 1926 in Poitiers als Sohn einer angesehenen Arztfamilie geboren und starb am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion. Nach seiner Schulzeit in Poitiers studierte er Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 begann seine berufliche Laufbahn als Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille. 1955 war er als Lektor an der Universität Uppsala (Schweden) tätig. Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg (1958/1959) kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. In diesem Zeitraum erschien 1961 seine Dissertationsschrift . Er thematisierte darin die Geschichte des Wahnsinns und das Zustandekommen einer Abgrenzung von geistiger Gesundheit und Krankheit und die damit einhergehenden sozialen Mechanismen. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. 1966 wurde veröffentlicht, worin er mit seiner diskursanalytischen Methode die Wissenschaftsgeschichte von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert untersuchte. Nach einem Auslandsaufenthalt als Gastprofessor in Tunis (1965-1968) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-1970). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein vielfältiges politisches Engagement auf sich aufmerksam. In diesem Kontext entstand die Studie . 1975-1982 unternahm er Reisen nach Berkeley und Japan sowie in den Iran und nach Polen.

Noch während des Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten entstanden, 1947 als Buch erschienen, mit der Neuausgabe von 1969 endgültig zum einflussreichsten Werk der »Frankfurter Schule« geworden: eine Sonderausgabe zum hundertsten Geburtstag Theodor W. Adornos am 11. September 2003.

 

Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 6. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der 'Frankfurter Schule', die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging.

In seinem erstmalig 1975 erschienen und jetzt um zwei Beiträge erweiterten Buch fordert Ivan Illich eine Begrenzung des Wachstums nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern vor allem mit dem Ziel, den Menschen wieder zu einem autonomen Wesen werden zu lassen. Illich formulierte hier nicht nur erste Elemente einer allgemeinen Theorie der Industrialisierung, sondern legte zudem eine radikale Kritik der Institutionen und der Expertenzünfte vor.

 

Ivan Illich (1926 - 2002) studierte Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie. Nach Promotion in Salzburg und Priesterweihe im Vatikan arbeitete er als Seelsorger in den New Yorker Slums. Von 1956 bis 1960 leitete er die Universität von Puerto Rico und geriet durch seine kritische Haltung gegenüber der Politik der katholischen Kirche in Südamerika mit dem Vatikan in Konflikt. 1996 gab Illich sein Priesteramt auf und lehrte anschließend an europäischen, amerikanischen und japanischen Universitäten. Seine zivilisationskritischen Bücher und Essays wurden in viele Sprachen übersetzt.

Sozialrebell, Geldfälscher, Bandit, moderner Robin Hood ¿ die Liste der Titel, mit denen Luciio Urtubia beehrt wurde, ist lang. Sein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt, ist ein Spiegel der revolutionären Bewegungen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Umweltökonom Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »grünes« Wachstum als Mythos entlarvt. Nach einer vollen Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach »mehr« lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran. Dabei gelten »grünes« Wirtschaftswachstum und »nachhaltiger« Konsum als neuer Königsweg. Doch den feinen Unterschied - hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum - hält Niko Paech für Augenwischerei. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken.
Das von Paech skizzierte Wirtschaften wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und es würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.

Niko Paech ist einer der bedeutendsten deutschen Wachstumskritiker - und er ist authentisch, denn er lebt seine Vision einer »entschleunigten und entrümpelten Welt«. Der Volkswirtschaftler ist seit 2010 Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac genießt er einen hohen Bekanntheitsgrund und findet bei einer breiten Öffentlichkeit Gehör.

Ökologische und spirituelle Bewegungen, wohltätige Spenden oder vernünftige
Mülltrennung - reicht das aus, um unsere Welt zu retten? Nein, sagt Charles
Eisenstein nach jahrzehntelanger Forschung im Bereich der ganzheitlichen
Wissenschaften, der gute Wille zählt allein nicht. Denn das Problem liegt in unserer
Separation von der Welt. Die einzige wirkliche Rettung ist, dass wir uns
wieder als Einheit fühlen und ein ganzheitliches Menschenbild entwickeln. Ein
faszinierendes Commitment an die Welt, das unser Denken und Handeln in der
Welt von Grund auf verändern wird.
Technische Innovationen, kulturelle Fortschritte und die Optimierung aller Lebensbereiche - haben wir die Welt
damit tatsächlich besser gemacht? Charles Eisensteins profunde Analyse aus über zehn Jahren Forschungsarbeit zu essenziellen Lebensbereichen wie Wissenschaft, Religion,
Spiritualität, Technologie, Wirtschaft, Bildung u.v.m. zeigt, dass die Konsequenz unserer Selbstsucht uns und
der Welt enorm schadet. Und doch ist seine scharfe und diff erenzierte Beobachtung von einer optimistischen Grundhaltung geprägt, mit der er zu der entscheidenden
Erkenntnis gelangt: Nicht Kontrolle, Separation und Wettbewerb sind das Fundament des Menschseins, sondern
Vertrauen, Liebe und ein respektvolles Miteinander. Aus dem Credo »Gemeinsam sind wir stark« wird auf Grundlage dieses ganzheitlichen Menschenbildes eine altruistische und werteorientierte Gesellschaftsform entwickelt,
die uns vom Zeitalter der Trennung ins Zeitalter der Wiedervereinigung führt.

Die britischen Crass waren eine der wichtigsten und einflussreichsten Bands der europäischen Punk- und Hardcore-Bewegung. Ihre vom Geist des Anarchismus geprägten Texte und ihr Kampf gegen musikalischen Mainstream, Sexismus, Tierversuche sowie die reaktionäre Politik der 1980er-Jahre trugen maßgeblich zur Politisierung der Szene bei. Auch das collagenhafte Schwarzweiß-Layout ihrer Schallplatten war für die gesamte Bewegung stilbildend.

Crass-Schlagzeuger Penny Rimbaud gibt in seiner spannenden Autobiographie Einblick in den vom Ideal der absoluten Selbstverwaltung geprägten Alltag dieser Ausnahmeband und in die bewegten Entstehungsjahre von Punk in Großbritannien.

Doch "Shibboleth" ist mehr als nur eine Bandgeschichte. Es handelt in poetischer, romanhafter Sprache vom Lebensweg eines Menschen, der sich nie hat anpassen wollen, für den Rebellion gegen bestehende Verhältnisse noch immer zur höchsten Form menschlichen Glücks gehört.

Was soll heute eigentlich konkret unter Befreiung und sozialer Emanzipation verstanden werden? Und warum sind viele der traditionslinken Vorstellungen überholt? Das vorliegende Buch erörtert genau diese Fragen und untersucht dabei die antiautoritäre proletarische Geschichte sowie die antiproduktivistischen Kämpfe in Vergangenheit und Gegenwart. Ausgehend von der sozialen Realität in den gegenwärtigen kapitalistischen Klassengesellschaften begibt sich Roman Danyluk auf die Spur der vergangenen selbstorganisierten direkten Aktionen des Proletariats ebenso wie des Kampfes der Lohnabhängigen gegen die Arbeit. Zentrale Begriffe der gesellschaftlichen Entwicklung ¿ etwa Fortschritt, Produktivität, Arbeit ¿ werden einer lebendigen und historischen Klassenanalyse unterzogen und auf emanzipatorische Art und Weise neu bestimmt. Damit versucht der Autor, eine sozialrevolutionäre Perspektive zur Umwälzung der sozial extrem ungleichen Klassenverhältnisse im Kapitalismus zu entwickeln.

1919, Revolution in München - und alle sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Viktor Klemperer, Klaus Mann ... Wann gab es das schon einmal - eine Revolution, durch die die Dichter an die Macht gelangten? Doch es gibt sie, die kurzen Momente in der Geschichte, in denen alles möglich erscheint ...Von einem solchen Ereignis, der Münchner Räterepublik zwischen November 1918 und April 1919 erzählt Volker Weidermann im Stil einer mitreißenden Reportage, bei der der Leser zum Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen wird, die München, Bayern und Deutschland erschütterten.Nach der Vorgeschichte, dem Ende des 1. Weltkriegs und der Absetzung des bayrischen Königs, beginnt der magische Moment, in dem alles möglich erscheint: radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. An der Spitze der Rätebewegung stehen die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam, auf die nach den Tagen der Euphorie und der schnellen Ernüchterung lange Haftstrafen oder der Tod warten. In rasantem Tempo und aus der Perspektive von Beteiligten und Beobachtern vor Ort wie Thomas Mann, Klaus Mann, Rainer Maria Rilke, Adolf Hitler, Viktor Klemperer oder Oskar Maria Graf entsteht so ein historischer Thriller über ein einzigartiges Ereignis der deutschen Geschichte.

Forscher sind sich einig: Lebenszufriedenheit hängt immer weniger von Geld und Besitz ab. Wichtig für persönliche Glücksgefühle sind soziale Fähigkeiten wie Kooperieren, Teilen oder sich für andere einsetzen - und sie finden immer öfter Eingang in unsere Arbeitswelt. Erfolgreiche Unternehmer, die bevorzugt Alleinerziehende beschäftigen oder sich selbst weniger Gehalt ausbezahlen als ihren Angestellten; Verbraucherinnen, die ökologisch wirtschaftende Bauernhöfe mitfinanzieren; Softwareentwickler, die ihre Arbeit zum freien Gebrauch zur Verfügung stellen - die Welt des Tauschens, Teilens und gemeinsamen Erlebens ist schier unendlich. Überall machen sich Menschen auf, neue Wege zwischen Markt und Staat zu suchen, gründen Unternehmen und Initiativen, die nicht mehr auf Geld-, sondern auf Glückslogik basieren, schaffen neue Umgangsformen, die zwischen dörflichem Zusammenhalt und urbaner Freiheit angesiedelt sind. Die so entstehende Glücksökonomie greift die alte Wachstumswirtschaft nicht frontal an, sondern wuchert fröhlich in sie hinein, um Räume zu schaffen, in denen Teilen wichtiger ist als Besitzen. Die Autorinnen haben Menschen besucht, die ein völlig anderes Leben führen, und berichten aus der bunten Welt des befreienden Miteinanders, die durch das Internet enorm befeuert wird.

Rüdiger Safranski lässt uns in seinem Sachbuch >Zeit: Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen< die Vielfalt der Zeiterfahrung neu entdecken. Denn mal vergeht sie wie im Flug, mal zieht sie sich zäh wie Honig, manche Tage scheinen unendlich, andere scheinen in fünf Minuten zu vergehen. Safranski beschreibt in einem Querschnitt durch verschiedene Epochen von Dichtern und Denkern das Spannungsfeld zwischen Vergehen und Beharren und ermuntert uns, in unserem schnelllebigen Alltag das wertvolle Gut Zeit zu schätzen und behutsam mit ihm umzugehen.

In der veränderten Neuausgabe (Feyerabend verfaßte eine neue Einleitung und schrieb das zentrale Kapitel über den Relativismus neu) von Erkenntnis für freie Menschen zieht Feyerabend die politischen Konsequenzen aus dieser These: »Wie beurteilt ein Bürger die Vorschläge der Institutionen, die ihn umgeben, von seinem Geld leben und sein Dasein verunstalten und wie beurteilt er diese Institutionen selbst? Er braucht Maßstäbe und Kriterien - das hören wir fortwährend von unseren Intellektuellen. Aber welche Maßstäbe wird er wählen? Die Antwort, die ich im vorliegenden Buch auf diese Frage gebe, erkläre und verteidige, lautet wie folgt: In einer freien Gesellschaft verwendet der Bürger die Maßstäbe der Tradition, der er angehört.«

 

Paul K. Feyerabend (1924-94) lehrte Philosophie und Wissenschaftstheorie u.a. in Berkeley, London und Zürich.

Über den Arabischen Frühling, Occupy Wall Street - und den Massenmord von Breivik
2011 - das Jahr des Arabischen Frühlings, der Occupy Wall Street-Bewegung, der Revolte in den Vorstädten Londons.
2011 - das Jahr von Breiviks ideologischer Wahnsinnstat, des aufkommenden Antisemitismus in Ungarn, des zunehmenden Rassismus.
Gefährliche Träume in zweierlei Richtung stehen dahinter: emanzipatorische und destruktive. Was bedeuten diese Ereignisse im Kontext des globalen Kapitalismus? Mit Dialektik, analytischer Schärfe und gewohnt pointensicher legt Slavoj Zizek die Widersprüche der gegenwärtigen politischen Lage frei und fragt, wie wir das System bekämpfen können, ohne zu seinem Funktionieren beizutragen.

Die Texte zu diesem Buch - grundlegende Schriften zur politischen Ökologie - hat André Gorz kurz vor seinem Tod im September 2007 zusammengestellt. Er schrieb dazu: 'Dass bei der Arbeit Herrschaft über uns ausgeübt wird, wissen wir seit etwa 170 Jahren. Nicht aber dass das Gleiche für unsere Bedürfnisse und Wünsche, unsere Gedanken und unser Selbstbild genauso gilt. Durch die Kritik des Modells unserer Konsumgesellschaft bin ich zum Ökologen avant la lettre geworden. Mein Ausgangspunkt war ein Artikel, der 1954 in einer US-amerikanischen Zeitschrift erschien. Darin stand zu lesen, dass der Konsum in den kommenden acht Jahren mindestens um 50 Prozent wachsen müsse, damit die Produktionskapazitäten gewinnbringend ausgeschöpft werden könnten, dass aber die Leute gar nicht in der Lage seien, sich vorzustellen, worin denn diese 50 Prozent zusätzlichen Konsums bestehen sollten.'Kapitalismuskritik und politisch-ökologisches Denken ergänzen sich und bedingen sich gegenseitig, so die zentrale These von André Gorz. Und ein wirksamer Schutz der Umwelt ist ohne radikale Kritik des Kapitalismus nicht zu haben.

 

André Gorz (1923 2007), geboren in Wien, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz und ließ sich nach Kriegsende in Paris nieder. Er arbeite mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir an der Zeitschrift Les Temps modernes , war Redaktor bei L Express , später bei der Wochenzeitung Le Nouvel Observateur , die er 1964 zusammen mit Jean Daniel gegründet hatte.In seinen Buchpublikationen profiliert sich Gorz als Theoretiker der Arbeiterselbstverwaltung und der politischen Ökologie.

Ein einzigartiges Zeitzeugnis

Als Kind und junger Mann erlebte Sebastian Haffner den Ersten Weltkrieg, die galoppierende Inflation 1923, die Radikalisierung der politischen Parteien, den unaufhaltsamen Aufstieg der Nationalsozialisten. Ohne politisch oder rassisch verfolgt zu sein, emigrierte er 1938. Aus dem Nachlass wurden diese Erinnerungen seiner ersten drei Lebensjahrzehnte veröffentlicht, die Haffner 1939 in England zu Papier gebracht hatte. Um zwei neu aufgefundene Manuskriptteile erweiterte Ausgabe.


Sebastian Haffner, geboren 1907 in Berlin, war promovierter Jurist. Er emigrierte 1938 nach England, wo er als Journalist für den »Observer« arbeitete. Seine »Geschichte eines Deutschen« verfasste er 1939 im Londoner Exil. 1954 kehrte er nach Deutschland zurück, schrieb zunächst für die »Welt«, später für den »Stern«. Haffner ist Autor einer Reihe historischer Bestseller, u. a. »Anmerkungen zu Hitler«. Er starb 1999.

Bauman ist einer der meistzitierten Soziologen der Gegenwart. Politik und Postmoderne ist die erste umfassende Darstellung von Baumans Theorieansatz in deutscher Sprache. Jens Kastner leistet in seiner Auseinandersetzung mit Bauman einen Beitrag zur längst überfälligen Selbstreflexion der Soziologie. In seiner Diskussion rassismustheoretischer, identitätspolitischer und ethisch-moralischer Aspekte postmoderner Theorie macht er darüber hinaus deutlich, wo die Stärken und Schwächen postmoderner Ansätze für emanzipatorische Politik liegen. Abstracs I. Was ist Postmoderne und wieso eigentlich Anarchie? Baumans Grundannahmen zum Begriff der Postmoderne werden erläutert, die er als philosophischen Diskurs einerseits und gesellschaftlichen Zustand (bzw. eben solche Prozesse andererseits) beschreibt. Für jenen Diskurs ist Postmoderne in erster Linie als Infragestellung der Verbindung von Macht/ Herrschaft und Philosophie/ Staat zu verstehen.Die Forschungshypothese wird begründet: Es gibt in der Analyse Baumans bzw. in den Konsequenzen, die er daraus zieht und zu ziehen anrät, anarchistische Tendenzen. Einerseits entkoppelt er die (Sozial-)Wissenschaften vom Nationalstaat als Referenzsystem, andererseits verbindet er aber trotzdem die Frage nach sozialen Ungleichheiten und individueller Freiheit. Das ist eine Konstellation, die so nur oder vor allem der historische Anarchismus geleistet hat (oder zu leisten vorhatte). Einerseits sollen also die anarchistischen Tendenzen herausgearbeitet werden, andererseits sollen Brüche und Widersprüche in Baumans Argumentation nachvollzogen und - am eigenen Anspruch gemessen - ergänzt werden: zu libertären Aspekten. Hier kommt der Feminismus ins Spiel, aber auch die Postkoloniale Kritik (Hall, Bhabha), die dazu herangezogen werden (als Maßstäbe der Kritik), denn beide lösen Ansprüche in Bereichen ein, die Bauman "vergißt". II. Kritik der Moderne: Zur Soziologie der Postmoderne Zygmunt Baumans Die zentrale These Baumans (in Moderne & Ambivalenz) wird dargestellt: Wesensmerkmal der Moderne ist es, Ordnung herzustellen und Ambivalenz abzuschaffen. Dabei werden Politik und Moral zwischen Aussicht und Untergang verortet. Die zweite zentrale These Baumans (in Dialektik der Ordnung) lautet: Der Holocaust ist nicht Betriebsunfall der Moderne, sondern der einzigartige, aber zuverlässige Test ihres latenten Potentials. Und: der moderne Zivilisationsprozeß selbst führt zu moralischer Indifferenz und nicht zu deren Absterben. III. Staat und der Macht/ Wissen Komplex Die Verknüpfungen von Intellektuellen und Staat, Philosophie und Herrschaft als gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis zu legitimatorischen Zwecken, und dessen Folgen werden dargestellt: Herrschaft braucht angeblich in der Postmoderne keine Legitimation. Der Staat, bis dato züchtend und ordnend, hervorgebracht und unterstützt von den Gelehrten, verliert an Bedeutung (die der Markt gewinnt). Und die Intellektuellen werden ersetzt durch sich selbst reproduzierendes ExpertInnenwissen. Rationalität verliert in diesem Prozeß ihre aufklärerische Schärfe. Denn Wissenschaft selbst wird zur Reproduzentin klassischer Muster von Macht und Abhängigkeit - wo Irrationalität kolonisiert wird, kann Rationalität nicht Freiheit bedeuten. Aufgrund seiner vernunftgeregelten Ordnung wird der Nationalstaat als Referenzsystem für die Sozialwissenschaften grundsätzlich infrage gestellt. Bei der Analyse dessen "übersieht" Bauman die spezifisch männliche Konzeption von Vernunft und daß bürokratische Herrschaft immer männliche Herrschaft ist. Und weil männliche Herrschaft nicht nur bürokratische Herrschaft ist, gibt es sie natürlich auch noch in der Postmoderne. Ebenso wie den Staat, der nicht verschwunden, sondern nur verwandelt ist. IV. Die notorisch ambivalente Kategorie Ausgehend von der Analyse, daß derdiedas Fremde Archetyp für das Unentscheidbare ist, das die Moderne nicht dulden kann, wird Baumans Rassi

»Ich glaube, wir Anarchisten müssen lernen, zeitgemäße Antworten auf die Herausforderungen dieses Jahrhunderts zu finden. Diese Herausforderungen sind oft nicht mehr identisch mit denen des vergangenen Jahrhunderts, und deshalb können uns auch die Aktions- und Organisationsformen von gestern heute nur bedingt helfen. Dabei ist die anarchistische Idee aktueller denn je, denn gerade angesichts der Absurditäten im Gefolge von Globalisierung und Raubkapitalismus wird es einen neuen Hunger nach radikal-utopischen Alternativen geben.«

So äußerte sich Horst Stowasser im Interview in >ja! Anarchismus<. Der Anarchist starb 2009. Ihm und den mittlerweile ebenfalls verstorbenen GesprächspartnerInnen aus >ja! Anarchismus< - Wolfgang Zucht, Lutz Schulenburg, Ilse Schwipper, Marie-Christine Mikhailo, Bernd und Karin Kramer - ist >Anarchismus Hoch 3< gewidmet.

Wie auch bei den Vorgängern >ja! Anarchismus< und >Anarchismus Hoch 2< (beide erschienen im Karin Kramer Verlag) geht es in diesem Nachfolgeband darum, die übliche Diffamierung der Anarchie als Chaos und Terror durch die Portraits libertärer Persönlichkeiten zu widerlegen. Bernd Drücke will, wie ein Rezensent treffend schreibt, »dem >Gespenst des Anarchismus< eine reale und optimistische Form verleihen«.

Zu Wort kommen die Kommunardin Bettina Kruse, die Hausbesetzerinnen Emma, Marion und Mikky, die Projekt-A-Filmemacher Moritz Springer und Marcel Seehuber, der Krankenpfleger Heiko Maiwald (FAU), der Griechenland-Kenner Ralf Dreis, der Graswurzelrevolutionär Heinz Wittmer, Knobi, der Büchernomade, der Fairdrucker Thorsten Hallmann, die Black-Pigeon-Buchhändler Marvin Landauer und Sascha Bender, Andreas Ess vom (historischen) Projekt A, die Verleger Theo Bruns und Rainer Wendling von Assoziation A, Jörn Essig, Martin Schüring und Markus Kampkötter vom Unrast Verlag, Sania und Denise Kästner vom roots of compassion-Kollektiv sowie Hanna Mittelstädt und Katharina Picandet von der Edition Nautilus. Außerdem der russische Historiker Vadim Damier, der Soziologe Andreas Kemper, die Indonesien-Kennerin Anett Keller und der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli.

Raoul Vaneigem hat ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Zerstörung der Individualität verfasst. Er tritt vehement für die Kostenlosigkeit und das individuelle Erleben ein, kritisiertdie tyrannische Macht der Lohnarbeit und die Gier der Raubökonomie.Zwischen der Trauer um dieWelt und der Lust am Leben ist auch eine Art Autobiografie. Vaneigem schildert seine Kindheit in Belgien, im proletarischen Milieu seiner Eltern, und die fünfziger und sechziger Jahre, die in die großen Umwälzungen der gesamten Lebensweisen mündeten.Neue Schriften wie Der kommende Aufstand des Unsichtbaren Komitees sind von Vaneigems Schriften deutlich beeinflusst, in der Radikalität der Kritik wie in den literarischen und geschichtlichen Bezügen. Es ist ein präziser wie auch schillernder Stil, voller Anspielungenund Entwendungen.

 

Raoul Vaneigem, geb. 1934 in Lessines (Belgien), studierte 1952-1956 an der Freien Universität Brüssel. 1961¿1970 Mitglied der Situationistischen Internationale, gilt neben Guy Debord und Asger Jorn als ihr einflussreichster Theoretiker. Veröffentlichte 1967 Traité de savoir-vivre à l¿usage des jeunes générations (Handbuch der Lebenskunst, dt. Erstausgabe 1972), 1979 Le Livre des plaisirs (Buch der Lüste, 1984), 1990 Adresse aux vivants (An die Lebenden, 1998) und ca. 15 weitere Werke (u.a. bei Denoël und Gallimard, alle deutschen Ausgaben bei Edition Nautilus). Lebt als freier Autor in Belgien.

 

 

Fangt an, auf das zu hören, was aus einer anderen Welt kommt, aus eurer!
Schneller, schneller! Der Markt täuscht sich nicht. Zur Stunde, da die Ökonomie zerfällt und die Erde verwüstet, da die Geldblase zu platzen droht, verkauft er hastig seine letzten konsumierbaren Freuden und gibt Rabatt auf die tiefgekühlten Glückseligkeiten, deren Verfallsdatum überschritten ist. Keine Epoche hat Verzweiflung und Ressentiment derart verharmlost. Keine hat den Lebensgewohnheiten so viel Bitterkeit und den Herzen so viel Gift eingeflößt.
In unseren existenziellen Ungewissheiten beschreiben Todestrieb und Lebensinstinkt eine Demarkationslinie, ähnlich dem Niemandsland zwischen verfeindeten Ländern. Es ist eine Zone unbestimmter Offenheit. Dort entscheidet sich in erster und letzter Instanz der Konflikt, in dem jeder das, was ihn tötet, von dem unterscheidet, was ihn stärkt. Du willst für das Menschliche und seine Freiheiten eintreten? Dann finde zunächst deinen Schwerpunkt, denn auf dem Drahtseil, das über unsere Abgründe gespannt ist, ist die dünne Balancierstange des Lebenswillens unsere einzige Sicherheit.

Die Biographie eines rastlosen Revolutionärs - Paco Ignacio Taibo II hat sie nach jahrelangen Forschungsreisen und minutiöser Archivarbeit so niedergeschrieben, wie sie verlief: neugierig, aufrichtig und verzehrend ... "Eine Gesellschaft benötigt Mythen, Helden und Utopien, um zu überleben; sie sind der Stoff für ihre Träume. Es ging darum, ein Geschichtsbuch mit der Gewissenhaftigkeit eines Historikers zu schreiben, aber mit einer Technik, die ermöglicht, das Buch zu lesen, als wäre es ein Roman." Taibo II in El Mundo"Vergleicht man die Che-Guevara-Biographien, fällt auf, daß Taibo mit Vorliebe und oft sehr ausführlich Quellen zitiert, in denen die Handelnden zu Wort kommen, besonders die Tagebücher Ches und seiner Kampfgefährten, sowie Interviews, die Taibo in vielen Fällen selbst geführt hat. [...] Taibos Biographie ist mit heißem Herzen geschrieben, voller Sympathie für die kubanische Revolution und ihre Protagonisten, ohne daß der Autor in den Fehler verfällt, den zahlreichen offiziellen Hagiographien eine weitere hinzuzufügen." Elke Schubert, DIE ZEIT Paco Ignacio Taibo II, 1949 in Gijon (Spanien) geboren, lebt als Schriftsteller, Journalist und Historiker in Mexiko. Begründer des neuen lateinamerikanischen Kriminalromans. Seine bisher 19 veröffentlichten Bücher wurden in 21 Sprachen übersetzt.

Was passiert in Chiapas, in den Gebieten, die zwar vom Militär umstellt, nicht aber besiegt wurden, bei den Menschen, die die "erste Revolution des 21. Jahrhunderts" initiiert haben? Im Gespräch mit der Journalistin Laura Castellanos analysiert Marcos, was die zapatistische Bewegung seit ihrem Anfang, dem Aufstand vom 1. Januar 1994, gewonnen und was sie verloren hat. Er skizziert die Konflikte, die über die Zukunft entscheiden werden - nicht nur über die der zapatistischen Gemeinschaften, sondern auch über die Zukunft seiner Person und seiner Rolle als "Sub". Marcos spricht über Fidel Castro, Hugo Chévez, Evo Morales u.a. und verortet die Bewegung in Chiapas innerhalb der kontinentalen Politik Lateinamerikas.

Den Staat zerschlagen!

Anarchistische Staatsverständnisse.

Das, was am Staat so übel ist, lässt sich nicht durch Reformen, Gewaltenteilung, Wahlen, internationale Verträge oder tugendhafte Politiker ausbessern. Weil der Staat immer eine gewaltsame Herrschaftsstruktur ist, muss er durch herrschaftsfreie Ordnungen ersetzt werden, die selbst nicht staatsförmig sind. Davon sind jedenfalls die Anarchisten überzeugt. Deren unterschiedliche Verständnisse davon, was der Staat ist und tut, wie er entstand und wie man ihn überwindet, werden in diesem Band vorgestellt. Neben den Klassikern Stirner, Proudhon, Bakunin, Kropotkin und Landauer wird die Praxis der jüdischen Russland-Exilantinnen und der spanischen Revolutionäre vorgestellt und die anarchistische Kritik an Gewalt, Entfremdung und Zivilisation diskutiert. Es wird einerseits gezeigt, wie der Anarchismus seine über marxistische und liberale Staatskritik hinausgehende Staatsfeindschaft begründet; andererseits werden Schwächen der anarchistischen Staatsverständnisse deutlich.

Wie lässt sich in einer individualisierten Gesellschaft solidarische Politik machen? Wie lassen sich kollektive politische Ansprüche einlösen von Einzelnen, die sich in ihren alltäglichen Lebensverhältnissen extrem auf sich selbst zurückgeworfen sehen? "Jenseits von Staat und Individuum" untersucht zunächst die historischen Bedingungen der neuzeitlich-kapitalistischen Individualgesellschaft, um daraufhin - in Anlehnung an anarchistische Traditionen - ein alteritäres Verständnis von Individualität zu konzipieren. Individualität wird dabei als sozialer Wert gedacht, der autonome Lebenszusammenhänge stärken soll, anstatt sie in Form eines bürgerlichen Konkurrenzegoismus zu unterminieren. Abschließend werden Möglichkeiten solidarischer Politik in der Individualgesellschaft diskutiert bzw. Kollektivformen, die den Individualismus des liberal-kapitalistischen Staates zu überwinden wissen. Die Bilder und Themen, derer sich das Buch dabei bedient, reichen von Comicfiguren (Silver Surfer) über Filmgenres (Italo-Western) zu subkulturellen Jugendbewegungen (Straight Edge).

 

Gabriel Kuhn, geb. 1972 in Innsbruck, arbeitet als freischaffender Autor und Übersetzer. Zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderen Sober Living for the Revolution: Hardcore Punk, Straight Edge, and Radical Politics (PM Press 2010).

"Die Autonomie der Individuen, ihre Freiheit (.), hat auch vor allem die gleiche Teilhabe aller an der Macht zum Inhalt, ohne die es natürlich keine Freiheit gäbe, ebenso wenig wie Freiheit ohne Gleichheit. Wie könnte ich frei sein, wenn andere als ich über das entscheiden, was mich betrifft und ich an dieser Entscheidung nicht teilnehmen darf?"
Cornelius Castoriadis

Der Anstieg der Bedeutungslosigkeit

Demokratie als Verfahren und
Demokratie als System

Welche Demokratie?

Wesen und Wert der Gleichheit

Macht, Politik, Autonomie

Die Bewegungen der sechziger Jahre

Die Idee der Revolution

Pointierte Ursachenforschung Hans-Joachim Maaz zeigt, dass Gier, nach Geld oder nach anderen Lebensvorteilen, Ausdruck einer narzisstischen Störung ist. Der narzisstische Mensch ist ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch. Er tut alles, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten - durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion. Besonders ausgeprägt ist diese Störung bei den Trägern gesellschaftlicher Macht: bei Politikern, Managern und Stars. »Politik ist narzissmuspflichtig«, so Maaz. Der Autor plädiert dafür, dass wir uns von der Wachstumsideologie ebenso wie von der Leistungsgesellschaft verabschieden.

 

Hans-Joachim Maaz, seit 40 Jahren praktizierender Psychiater und Psychoanalytiker, war lange Zeit Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Diakoniekrankenhauses Halle

"Kein Wort", so der Romancier Adalbert Stifter 1847, ist "so oft ausgesprochen worden" wie Freiheit; aber "unter hundert", die davon reden, wäre "kaum einer, der weiß, was das sei."Die heutige Inflationierung des Begriffs Freiheit hat daran auch nichts geändert. Im Gegenteil.

Dies ist ein Buch über das gute Leben, und seinen Kern bildet eine schlichte Wahrheit: Wenn du die Göttin der Freiheit willkommen heißt, wird das Leben leichter und billiger und macht erheblich mehr Spaß. Ich möchte zeigen, wie man die "vom Geist geschmiedet Fesseln" entfernt und die Freiheit erwirbt, sich ein eigenes Leben zu schaffen. Nachdem ich mein letztes Buch, Anleitung zum Müßiggang, beendet hatte, wurde mir klar, dass Müßiggang für mich fast das Gleiche wie Freiheit ist. Müßig zu sein heißt, frei zu leben. Müßig zu sein heißt, nach seinen eigenen Regeln zu leben. Müßig zu sein heißt, das zusammenzufügen, was getrennt worden ist.
Ich habe versucht, drei Gedankenstränge zu einer Philosophie des Alltagslebens zu verknüpfen, und zwar Freiheit, Frohsinn und Verantwortung beziehungsweise Anarchie, Mittelalterlichkeit und Existenzialismus. Es ist ein Lebensansatz, den man auch als "Spaß haben" oder "Tun, was einem gefällt" bezeichnen könnte. Die westliehe Welt hat zugelassen, dass ihr - und uns - Freiheit, Frohsinn und Verantwortung abhandengekommen und durch Gier, Konkurrenz, einsames Streben, Fadheit, Schulden, McDonald's und GlaxoSmithKline ersetzt wurden. Das Konsumzeitalter bietet viele Bequemlichkeiten, doch wenig Freiheit. Die Regierungen reiten, wie es ihrem Wesen entspricht, endlose Attacken gegen unsere Bürgerrechte und schieben Gesundheit und Sicherheit vor, um ihre Macht auszuweiten.
In meiner Suche nach Freiheit würde ich mich als Anarchisten definieren. Anarchie bedeutet, dass Verträge zwischen Individuen, nicht zwischen Bürger und Staat geschlossen werden. Sie basiert eher auf dem Standpunkt, dass die Menschen im Grunde gut sind und in Ruhe gelassen werden sollten, als auf der puritanischen Ansicht, dass wir alle böse sind und von der Obrigkeit kontrolliert werden müssen. Im Mittelalter organisierten die Menschen die Dinge trotz der bestehenden Hierarchien selbst. Die große Mehrheit der in diesem Buch beschriebenen Fesseln hatte man damals n
och nicht erfunden. Das Leben war selbstbestimmt und voller Vielfalt.
Heutzutage brauchen wir eine radikale Neudefinition menschlicher Beziehungen, die nicht der Gier des globalen Kapitalismus, sondern den lokalen Bedürfnissen dient. Unser Leben ist in unzählige Fragmente zersplittert, und unser Ziel muss es sein, sie wieder zu einer harmonischen Einheit zusammenzufügen. Dabei liefern uns nicht nur die mittelalterliche Ordnung sowie die Anarchisten und die Existenzialisten Hilfestellungen, sondern auch eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten. Zu Wort kommen werden Aristoteles, der heilige Franz von Assisi, der heilige Thomas von Aquin, die Romantiker, William Cobbett, John Stuart Mill, John Ruskin, William Morris, Oscar Wilde, die Zurück-aufs-Land-Bewegung, Chesterton, Eric Gill und die Distributisten, Bertrand Russell, Orwell, die Situationisten, die Yippies, die Punks und Radikalen der siebziger Jahre wie John Seymour, Ivan Illich oder E. F. Schumacher. Sie alle sind Teil der langen Geschichte, in welcher die Idee der wahre Freiheit ermöglichenden Kooperation statt der Konkurrenz gefördert wird. Wie wir sehen werden, gibt es eine starke Tradition, Geld, Eigentum und Business als Hauptziele des Lebens abzulehnen. Wir müssen aufhören, von anderen zu erwarten, dass sie unser Leben in Ordnung bringen, und stattdessen darauf vertrauen, dass wir selbst dazu in der Lage sind. Wir sind freie Geister. Wir verbitten uns die Einmischung in unsere Angelegenheiten, und wir widersetzen uns der Einmischung in die Angelegenheiten anderer.
In diesem Buch befasse ich mich mit den Schranken der Freiheit und mit unserer Möglichkeit, Angst, Furcht, Hypotheken, Geld, Gewissensbisse, Schulden, Regierungen, Langeweile, Supermärkte, Rechnungen, Melancholie, Schmerz, Depressionen und Verschwendung loszuwerden. Wir haben diesen Feinden Macht über uns verliehen, und nur wir selbst können diese Macht brechen. Es hat keinen Sinn, jammernd herumzusitzen und zu hoffen, dass uns je
mand anderes diese Aufgabe abnimmt. Wir müssen vielmehr begreifen, dass all diese Bürden "vom Geist geschmiedet" sind, und schon öffnet sich die Pforte zum Garten der Freiheit.
Im Leben geht es unter anderem darum, verlorene Freiheiten wiederzuerlangen. Durch Ausbildung und Arbeit bestätigen wir einander in dem Glauben, weder frei noch verantwortlich zu sein. Wir schaffen eine Welt der Verbindlichkeiten, Pflichten und Aufgaben und vergessen, dass das Leben von Spontaneität, Freude und Liebe erfüllt sein sollte. Deshalb suche ich in der Vergangenheit nach Ideen für die Zukunft. Die Griechen blickten zum Goldenen Zeitalter zurück, die Römer zu den Griechen, Virgil und Ovid zu einer bukolischen Idylle. Im Mittelalter wiederum schaute man zurück zu den Griechen und zu einem einfacheren Leben. Mehr noch, ein Merkmal jeder Epoche ist ihre Rekonstruktion der "alten Zeiten", in denen die Menschen glücklich und die Dinge leichter waren.
Der Rückgriff auf eine vermeintlich ideale Vergangenheit ist allerdings durchaus keine realitätsferne Nostalgie, sondern vielmehr eine Methode des Voranschreitens, des Entscheidens über die Prioritäten des Lebens. Und die Vergangenheit ist viel besser als die Zukunft dazu geeignet, nach Ideen für eine Lebensgestaltung zu suchen, denn die Zukunft ist reine Fantasie, während sich die Vergangenheit tatsächlich ereignet hat. Der Traum von einer technologischen Zukunftsutopie, in der Maschinen sämtliche Arbeiten verrichten, ist dummes Zeug.
Wie wird man frei? Nun, ob es dir gefällt oder nicht: Du bist frei. Die eigentliche Frage lautet, ob du dich dafür entscheidest, von deiner Freiheit Gebrauch zu machen. Das Innere des Menschen ist von einem fundamentalen Nichts erfüllt. Wir haben uns unser Universum selbst geschaffen. Das Leben ist absurd. Gott ist Liebe. Wir sind frei.


Tod den Supermärkten Back Brot Spiel Ukulele Öffne den Gemeindesaal Aktionismus ist sinnlos Hör auf zu jammern Mach Musik Hör auf zu konsumieren Fang a
n zu produzieren
Zurück aufs Land Vernichte den Wucher Liebe die Schönheit Akzeptiere die Armut Schwing den Meißel Ignoriere den Staat Reform ist sinnlos Anarchie im Vereinigten Königreich Schwing den Spaten
Nutze das Pferd Preise den Federkiel Liebe deinen Nächsten Sei kreativ Befreie deinen Geist Grab die Erde um Mach Kompost Das Leben ist absurd Wir sind frei Sei fröhlich


Verjag die Angst; sei sorglos


Lebet in Freuden, o meine Freunde,
frei von Sorgen, Verwirrung, Angst, Kummer,
lebet in Freuden.
Marsilius Ficinus, zitiert von Robert Burton, in: Anatomie der Melancholie, 1641
Bring mir meinen Bogen aus brennendem Gold! Bring mir meine Pfeile der Hoffnung! Blake, "Milton", 1804
Es ist uns egal.
Punk-Parole, 1977


Was die Angst betrifft, so kann ich sagen: Es ist nicht deine Schuld.

Ich funktioniere, also bin ich Wer nichts produziert und nichts konsumiert, ist überflüssig - so die mörderische Logik des Spätkapitalismus. Überbevölkerung sei das größte Problem unseres Planeten - so die internationalen Eliten. Doch wenn die Menschheit reduziert werden soll, wer soll dann verschwinden, fragt Trojanow in seiner humanistischen Streitschrift wider die Überflüssigkeit des Menschen. In seinen eindringlichen Analysen schlägt er den Bogen von den Verheerungen des Klimawandels über die Erbarmungslosigkeit neoliberaler Arbeitsmarktpolitik bis zu den massenmedialen Apokalypsen, die wir, die scheinbaren Gewinner, mit Begeisterung verfolgen. Doch wir täuschen uns: Es geht auch um uns. Es geht um alles.

Hermann Hesse

Eigensinn macht Spass.

Die Schilderungen dieses Bandes zeigen, auf welche Weise eine produktive Balance zwischen Eigen- und Gemeinschaftssinn, zwischen Individuation und Anpassung erreicht werden kann.

»Möge das Leben Ihnen aufgehen, Tür um Tür;
mögen Sie sich in die Fähigkeit finden, ihm zu
vertrauen, und den Mut, gerade dem Schweren
das meiste Vertrauen zu geben.«
Das Leben ist für Rilke ein täglich neu zu feierndes Geschenk. Es ist voller ungeahnter Möglichkeiten und verborgener Schönheiten. Seine Gedanken über die großen Offenbarungen des Lebens hat Rilke besonders in seinen Briefen festgehalten - und ist damit auch heute ein wertvoller Lebensratgeber.
Seine schönsten Gedanken über ein glückliches und ausgeglichenes Leben wurden für diesen Band ausgewählt.

Im August 1992 wurde die Leiche von Chris McCandless im Eis von Alaska gefunden. Wer war dieser junge Mann, und was hatte ihn in die gottverlassene Wildnis getrieben? Jon Krakauer hat sein Leben erforscht, seine Reise in den Tod rekonstruiert und ein traurig-schönes Buch geschrieben über die Sehnsucht, die diesen Mann veranlasste, sämtliche Besitztümer und Errungenschaften der Zivilisation hinter sich zu lassen, um tief in die wilde und einsame Schönheit der Natur einzutauchen. - Verfilmt von Sean Penn mit Emile Hirsch.

Der moderne Mensch betreibt doppelten Raubbau - an seinen physischen wie psychischen Ressourcen. Zu Verschmutzung und Übernutzung unserer Um-Welt gesellt sich immer öfter eine lähmende Erschöpfung des Ich; aus Homo sapiens wurde Homo consumens, dem Überfluss folgte Überdruss. Im Umgang mit der Überforderung, die viele Ursachen kennt - Perfektionismus, Schnelllebigkeit, Gier -, zeigen sich verschiedene Facetten: die einen reagieren mit Burnout und Depression, die anderen mit aggressiven Verhaltensweisen wie Mobbing, Narzissmus oder schlichter Wut. Verleugner sind sie alle: Statt Probleme als Teil des Lebens zu begreifen, suchen wir Befriedigung im schnellen Konsum oder greifen zur Pille. Dabei ist es längst an der Zeit, unser Leben wieder mit Sinn zu füllen, so Schmidbauer: handwerkliches Tun wäre ebenso ein Rezept wie Entschleunigung und die Aufwertung sozialer Kontakte. In der Summe gewännen wir so »psychische Resilienz« und damit jene Energie, die wir benötigen, um uns den Herausforderungen unserer Zeit stellen zu können.

In Wahrheit ist alles ganz einfach - wenn man nur will! Die Bestsellerautoren Sven Böttcher und Mathias Bröckers haben für ihr neues und überfälliges Buch, nicht nur gründlich recherchiert, sondern auch ein klares Ziel formuliert: "Die ganze Wahrheit über alles ist, dass wir die Welt problemlos paradiesisch verbessern könnten, (...) dass wir alles zum Guten wenden könnten, im Handumdrehen." Mit "wir" spricht das Autorenduo dabei insbesondere die unter 25-Jährigen an, denen Böttcher und Bröckers die Welt und ihre vielschichtigen Probleme nicht nur kompetent und anschaulich erklären, sondern auch noch jede Menge Ideen, Anregungen und Alternativen zur Veränderung anbieten. So ist auf 330 Seiten ein wahres Lexikon der Zukunftsideen entstanden, mit dem die Autoren in 72 kompakten und intelligent wie unterhaltsam erzählten Kapiteln gegen die weit verbreitete Ansicht anschreiben, dass "Ich ja doch nichts ändern" kann: Von A wie Arbeit über B wie Banken und Bienen, von Demokratie und Drogen über Erderwärmung, Schule, Sex und Steueroasen bis Z wie Zuwanderung und Zukunft. Das alles ergänzt durch zahlreiche Fußnoten und eine ausführliche Literaturliste zum weiterlesen, weiterdenken und weiterdiskutieren. Mit Freunden, der Familie oder auch und gerade mit all denen, die glauben, man könne die Zukunft mit den Ideen von gestern retten. Schon Goethe wusste: "Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 Jahren ab." Dieses wichtige Buch aber möchten wir auch allen über 25-Jährigen wärmstens empfehlen.

Vollkommene Freiheit - das war Jiddu Krishnamurtis Leitmotiv. Dieser Band versammelt seine wichtigsten Aufsätze, Reden und Gespräche aus fünfzig Jahren weltweiter Lehrtätigkeit - viele davon hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

 

Jiddu Krishnamurti (1895-1986) war einer der großen geistigen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts. In England erzogen wurde er schon früh von der Theosophischen Gesellschaft zum ,Weltlehrer' auserkoren. 1929 löste er sich mit einer berühmt gewordenen Rede von allen Bindungen an organisierte Religionen und Ideologien. Auf Vortragsreisen, in Gesprächen und über 60 Büchern legte er Suchenden in aller Welt seine eigenwillige Auffassung des geistigen Erwachens ohne alle traditionellen Methoden dar.

Alan Watts galt zu Recht als Genie in der Vermittlung der Essenz der großen spirituellen Traditionen. Sein kleines Weisheitsbuch ist eine subtile Bestandsaufnahme unseres Lebens und Bewusstseins. Watts deckt all die fälschlichen Annahmen über das auf, was wir für die Realität halten. Er verschweigt auch nicht die individuellen und kollektiven Machtimpulse und Ängste, die zu diesen Glaubenssätzen führen. Wir wollen das Leben immer stärker planen und kontrollierbar machen. Wir treiben einen unglaublichen technischen Aufwand, nur um uns sicherer zu fühlen. Doch dahinter steckt ein ängstliches Ich, das sich von der Welt bedroht fühlt. Alan Watts zeigt uns den Weg in eine tiefere Dimension des Bewusstseins, wo wir dem Leben vollkommen offen und furchtlos zu begegnen lernen.

Auf der Reise durch Holos - die Welt der neuen Wissenschaften - nimmt Professor Laszlo den Leser mit in die spannenden und rätselhaften Welten der Quantenphysik, der post-darwinistischen Biologie, der Bewußtseinsforschung und der neuen Kosmologie bis hin zur Wiederentdeckung des Urfeldes.Nach Auffassung von Professor Laszlo ist die reale Welt nicht mechanistisch und fragmentiert, sondern eine in sich verwobene, essentiell holistische, das heißt ganzheitliche Welt. Der Kosmos ist lebendig, und die Menschen sind keine isolierten Einzelwesen, sondern durch das Psi-Feld miteinander verbundene Elemente im Netzwerk des Lebens, die mit den Rhythmen und Energien des Universums schwingen.Der Autor gibt sich jedoch nicht damit zufrieden, das Psi-Feld zu erforschen, welches seine Spuren überall in der physikalischen Welt und im Kosmos hinterläßt, sondern er geht darüber hinaus und versucht, auf der Basis dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse neue und bedeutsame Antworten auf die immerwährenden Fragen nach dem Ursprung und der Bestimmung des Universums, nach den Entwicklungsmöglichkeiten des menschlichen Bewußtseins, nach einem Weiterleben nach dem Tod des Körpers und nach einem kosmischen und vielleicht sogar göttlichen Bewußtsein zu finden.

 

Dr. Dr. h. c. mult Ervin Laszlo, geb. 1932 in Budapest. Promotion in Naturwissenschaften an der Pariser Sorbonne, Professor für Philosophie, Systemwissenschaft und Zukunftsforschung an den Universitäten Yale und Princeton. Wissenschaftlicher Berater des Generaldirektors der UNESCO, Mitglied des Club of Rome, Rektor der Wiener Akademie für Zukunftsfragen, Gründungsrektor der Frankfurter Akademie für Evolutionäres Management. Laszlo ist Autor zahlreicher Sachbücher.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts waren es die Physiker, die das naturwissenschaftliche Weltbild revolutionierten. Heute sind es die Biologen, die unser Verständnis der Erkenntnis- und Lebensprozesse radikal verwandeln: Sie ergründen das Geheimnis des Bewusstseins und zeigen, dass der Beobachter und das Beobachtete, das Subjekt und das Objekt, im Akt des Erkennens unauflösbar miteinander verbunden sind. Die Welt, in der wir leben, ist nicht unabhängig von uns; wir bringen sie buchstäblich selbst hervor.

Erstmals widmet sich der großen Physiker im Dialog einem Vergleich seiner Erkenntnisse mit den Einsichten der mystischen Traditionen in den großen Weltreligionen. Dabei zeigen sich unglaublich verblüffende Parallelen zwischen christlich-jüdischen oder hinduistisch-buddhistischen Einsichten und den neuesten Erkenntnissen der modernen Quantenphysik.
Aufgrund seiner zahlreichen Gespräche und Begegnungen mit Vertretern der mystischen Traditionen in Ost und West ist Hans-Peter Dürr wie kaum ein zweiter Naturwissenschaftler dazu berufen, Grenzen zu überschreiten und scheinbar Unvereinbares zu verbinden. Die Grenzen des Denkens verlaufen an der Oberfläche - in der Tiefe ist ALLES LEBEN EINS.
Eine außerordentlich spannende Begegnung zwischen Mystik und Physik, die neue, bisher ungeahnte Parallelen der beiden so unterschiedlichen Welten aufzeigt.

 

Hans-Peter Dürr gilt als der zurzeit bedeutendste Brückenbauer zwischen der Natur- und der Geisteswissenschaft. Als langjähriger Wegbegleiter Werner Heisenbergs und Direktor des Heisenberg-Instituts ist er wie kaum ein anderer qualifiziert, Grenzen zu überschreiten und scheinbare Abgründe zu überbrücken. Er vermag einem Buddhisten die Quantenphysik und einem Quan­ten­physiker den Buddhismus nahezubringen.
1987 erhielt Hans-Peter Dürr den "Alternativen No­belpreis" für seine Verdienste um die Frie­dens­for­schung. Er ist noch immer einer der gesuch­tes­ten Referenten der Gegenwart und hält Vorträge auf allen fünf Kontinenten.

Wie unterschiedlich wir Menschen doch sind. Manche sind im Konsumrausch - sie kaufen in volle Schränke, erfreuen sich an materiellen Gütern und schöpfen daraus Selbstbestätigung. Anderen wiederum ist Besitz gleichgültig - sie sind auf der Sinnsuche und auf außergewöhnliche Erfahrungen ausgerichtet, die sie weiterbringen. Der Sozialpsychologe Jens Förster zeigt sehr anschaulich, welchen Einflüssen unsere Bedürfnisse unterliegen, weshalb wir unsere Lebensziele verfolgen und ob sie tatsächlich geeignet sind, uns glücklich zu machen. Er lotet unsere Befindlichkeiten in der heutigen Überflussgesellschaft aus und entwickelt auf dieser Basis eine völlig neue Theorie der Beziehung zwischen Sein und Haben.

 

Jens Förster, geboren 1965, studierte Operngesang und Psychologie. Heute ist der international anerkannte Sozialpsychologe Professor an der Universität Amsterdam. Seine Hauptforschungsbereiche sind die soziale Informationsverarbeitung, Vorurteile und Motivation. Außerdem ist er als Kabarettist und Chansonnier tätig.

 

"So manchem Leser dürfte die Analyse helfen, ein Stück weit abzurücken vom 'Habenwollen' und sich einem weit wichtigeren Lebensaspekt zu widmen: dem 'Sein'." dpa-Dossier Wissen , 27.05.2016

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