Im Altersheim.

"Blasphemie."

"Wir haben fast vergessen, dass wir, wenn wir mit jemand reden wol-
len, zu ihm/ihr nach Hause gehen und an die Tür klopfen können. Wir
haben fast vergessen, was es heißt, persönlich zu kommunizieren, mit
Emotionen, Lachen oder Wut, die wir an unseren Gesichtern, an dem
Tonfall unserer Stimme oder dem Zittern unserer Hände ablesen können.
Wir haben fast vergessen, dass diese Maschinen vor gar nicht so langer
Zeit noch kein Teil unserer Leben waren, dass wir nicht in diese digita-
len Welten eingeschlossen waren, die mehr und mehr Kontrolle über
unsere Tage übernehmen, dass die Menschen ohne dies durchdringende
Technologien lebten, liebten, kommunizierten und sich auf dem neuesten
Stand hielten.

Manchmal fühlen wir uns in der U-Bahn als Eindringlinge, als eines
der wenigen, nicht in  seinen kleinen Bildschirm und Kopfhöhrer vertief-
ten, die Leute um sich herum nicht wahrnehmenden Individuen. Indem
wir uns so in uns selbst zurückziehen, bemerken wir gar nicht, wie die
Gesellschaft durch diese Technologien verändert wird. (...)
Und wenn wir wieder lernen würden ohne diese Maschinen zu leben?
Was, wenn wir die virtuelle Leine durchschneiden würden, uns wieder
miteinander in Verbindung setzen und persönliche Komplizenschaften
weben würden, um die durch Vereinzelung geschaffene Leere zu
füllen? Wir könnten uns wieder mit der Zeit, dem Raum und untereinan-
der verbinden, mit allem, was die kalte Interaktion durch Maschinen in
den Hintergrund gedrängt hat.

Was, wenn wir offene Blasphemie gegen die Religion der Konnektivi-
tät betreiben? Was wenn wir diesen viel gepriesenen, aber mehr wie ein
Sciencefiction-Alptraum scheinenden technologischen Himmel stürmen?

Was wenn wir die Maschinen zerstören?"